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BIONEERS

Bio-Obstbau-Netzwerk zur Entwicklung und Erprobung resilienter Betriebssysteme unter Einbezug der gesamten Wertschöpfungskette


Laufzeit

2026-03-01 bis 2028-02-29

Projektleitung

  • Peggy, Marx


Zuständige Fachinstitut

Institut für ökologische Chemie, Pflanzenanalytik und Vorratsschutz


Beteiligte JKI-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

  • Peggy, Marx

Kooperationspartner

  • Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V.
  • Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee, Bavendorf
  • Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg
  • Dienstleistungszentren Ländlicher Raum Rheinland-Pfalz
  • Öko-Obstbau Norddeutschland Versuchs- und Beratungsring e.V.
  • Zentrum für Betriebswirtschaft im Gartenbau e. V., Hannover


Gesamtziel des Projektes

Die meisten deutschen Öko-Obstbaubetriebe haben ihren Schwerpunkt auf der Kultur Apfel mit wenigen Hauptsorten und sind daher stark vom Input externer Ressourcen, vor allem Pflanzenschutzmitteln, abhängig und sehr anfällig für Störfaktoren durch den Klimawandel. Ziel des Projektes ist es, in einem partizipativen Prozess unter Einbezug der gesamten Wertschöpfungskette und in allen großen Obstbauregionen regional angepasste Strategien für eine vermehrte Resilienz der Betriebe durch einen weniger Input-abhängigen Anbau und eine höhere Vielfalt von robusten Apfelsorten und Birnen sowie ggf. auch Aprikosen zu erarbeiten. Vor allem im Apfelsortenbereich setzt der Markt sehr gegensätzliche Anreize. Clubkonzepte verstärken zunehmend die Abhängigkeit der Betriebe und schließen bestimmte Betriebstypen aus, die nicht an die passenden Vermarktungsstrukturen angeschlossen sind. Für die Umsetzung der entwickelten Strategien soll daher in Zusammenarbeit mit Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein Dachmarkenkonzept inhaltlich und fachlich ausgearbeitet werden, das allen Betrieben offensteht und eine Sortenvielfalt auf dem Betrieb ermöglicht. Entwickelt werden dabei auch Strategien zu einem verbesserten Boden- und Wassermanagement, der verstärkten Nutzung funktioneller Biodiversität und der Optimierung der Gesamt-Ökosystemdienstleistungen. Zusätzlich soll auf der Basis der Projektergebnisse und einer Betriebsbefragung über seitherige und künftig geplante Strategien für mehr Resilienz ein „Resilienz-Check“ in den Betriebsvergleich 4.0 des ZBG integriert werden. Für eine optimale nützlingsschonende Strategie ist das Wissen um die Nebenwirkungen der Pflanzenschutzmittel ein zentrales Instrument. Diese Informationen sind derzeit aber nur begrenzt verfügbar und teilweise widersprüchlich. Ein Grund dafür ist möglicherweise, dass die Effekte z. B. mit Standardtierarten in Labortests geprüft und bewertet werden, die zum Teil im Obstbau nicht relevant sind. Ziel ist es daher, vorhandenes Wissen zusammenzutragen und hinsichtlich der Verwendbarkeit für den Obstbau zu analysieren. Um bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel gezielt nützlingsschonende Mittel zu favorisieren, sind darüber hinaus ebenfalls Kenntnisse zu vorhandenen Nützlingen im Kulturpflanzenbestand essentiell. Die Ergebnisse werden mit Experten des Obstbaus diskutiert, um ggf. Vorschläge für die Entwicklung praxistauglicher Strategien abzuleiten und notwendige Maßnahmen zu benennen, um ein attraktives Angebot für Praxis und Beratung aufbereiten zu können. Durch die Schonung von Nützlingen, die aufgrund ihrer Lebensweise Schädlinge reduzieren können, kann die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel möglicherweise reduziert werden.Die Schonung und Förderung von Nützlingen als „Puffer“ für Gradationen von bekannten oder neu auftretenden Schädlingen muss vermehrt in die Strategie Resilienz des Anbausystems im Tafelapfelanbau integriert werden. Für den ökologischen Obstanbau stehen dem Pflanzenschutz zwar nur wenige Mittel zur Verfügung, aber dafür sind viele verschiedene Indikationen vorhanden. In der Praxis nutzbare Kenntnisse zu den Nebenwirkungen der Pflanzenschutzmittel auf Nützlinge und ihre Entwicklungsstadien (Ei, Larve, Puppe, Adulte) in der jeweiligen Indikation sind essenziell, um die natürliche Schädlingsregulation zu fördern und diese maximal als ökologische Dienstleistung für das Anbausystem nutzen zu können.Diese Informationen sind derzeit jedoch nur begrenzt verfügbar und es gibt in Abhängigkeit von der Datenquelle teilweise widersprüchliche Angaben.Um alle weltweit vorhandenen Informationen zu nutzen, ist es notwendig, die verfügbaren Daten aus verschiedenen Quellen, wie der Kennzeichnung durch das BVL, dem Nützlingsportal des JKI, der Datenbank der International Organization of Biological Control (IOBC) und publizierter Literatur zusammenzutragen. Hierfür erfolgt eine wissenschaftliche Recherche zu den Nebenwirkungen der im ökologischen Obstbau zugelassen und häufiger verwendeten Pflanzenschutzmittel auf die wichtigsten Nützlinge (Marienkäfer, Florfliegen, räuberische Gallmücken, Schwebfliegen, Blumenwanzen, Weichwanzen, Ohrwürmer, Raubmilben, Spinnen), auf Parasitoide allgemein, spezifisch auf die Blutlauszehrwespe Aphelinus mali sowie wichtige Parasitoide von Schalenwicklern, Pfennigminiermotte und Baumwanzen. Werden Informationen zu weiteren Arthropodenarten gefunden (allgemeine Recherche nach „side effects“), werden diese ebenfalls aufgelistet. Daraus wird eine tabellarische Übersicht erstellt.Anschließend erfolgt die Prüfung der Vergleichbarkeit der Daten, eine Analyse möglicher Unterschiede und die Bewertung der Praxisrelevanz bzw. eine fachliche Aufarbeitung der Ergebnisse. Dazu werden die einzelnen Quellen/Ergebnisse hinsichtlich ihrer Aussagefähigkeit und Vergleichbarkeit sowie die Eignung der Verwendbarkeit für Anwendungsempfehlungen geprüft und bewertet. Es werden mögliche Ursachen unterschiedlicher Ergebnisdarstellungen analysiert und Vorschläge erarbeitet, in welcher Form Ergebnisse möglicherweise angepasst werden können, um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Das betrifft z. B. die Kennzahlen der letalen und subletalen Effekte wie LR50, LD50, ER50 etc. oder unterschiedliche Einheiten z. B. der Aufwandmengen wie LWA, l/ha oder x%ige Spritzbrühe.Für die Praxis nutzbare Ergebnisse der Literaturrecherche werden mit den Erfahrungen aus der Anbaupraxis abgeglichen und auf mögliche Ursachen für Unterschiede untersucht.Die Einschätzung des vorläufigen Fazits aus der Literaturrecherche im Vergleich zu den Praxiserfahrungen mit Beratung und Versuchsanstellung aus dem ökologischen Obstbau wird abschließend von einem Expertengremium geprüft. Ein entsprechender Workshop zum Thema wird von der FÖKO in Zusammenarbeit mit dem JKI organisiert. Im Ergebnis sollen Ursachen für die Abweichungen zwischen Praxiserfahrungen und Literatur benannt werden sowie Grundlagen für die Ableitung von Anwendungsempfehlungen, eine mögliche nutzerfreundliche Form der Bereitstellung der Daten für die Praxis und weitere Aufgaben formuliert werden. Die Darstellung der Literaturübersicht erfolgt im Nützlingsportal des JKI (https://wissen.julius-kuehn.de/nuetzlingsinfo/), das entsprechend erweitert und angepasst wird.


Mittelgeber

Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat