Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und urbanem Grün
Im Gemüsebau treten verschiedenste Arten von Blattläusen als Schädlinge auf. Ihre Bekämpfung ist aufgrund der schnellen Vermehrungsrate schwierig. Wichtige natürliche Gegenspieler sind Marienkäfer und deren Larven, Schwebfliegen- und Florfliegenlarven. Diese Nützlinge wirken jedoch häufig zu spät, so dass bereits Pflanzenschutzmaßnahmen durchgeführt werden mussten oder das Erntegut für eine Vermarktung bereits zu stark durch die Blattlauskolonien geschädigt bzw. verschmutzt ist. Mit der Grabwespenart Pemphredon lethifer stünde ein weiterer sehr effektiver Nützling zur Verfügung, der durch sein Nistverhalten bereits vor Auftreten großer Blattlauskolonien an den Standort gebunden werden könnte. Es ist davon auszugehen, dass dieser Nützling gerade im großflächigen Anbau aktuell aufgrund der Limitierung von geeigneten Nistmöglichkeiten nicht in relevantem Maße Populationen bilden kann und somit auch nicht im nennenswerten Umfang zur Blattlausbekämpfung beiträgt. Dieses Problem ließe sich jedoch mit kostengünstigen und einfachen Maßnahmen beheben, indem 1) geeignete Nistplätze bereitgestellt und 2) die Ansiedelung durch Einbringen einer Startpopulation gefördert wird. Nistplätze sollen im Projekt durch die Anpflanzung von Holunder in der Fläche bzw. im Randstreifen sowie das Aufstellen von zusätzlichen Nisthilfen aus Holunderbündeln in der Gemüseanbaufläche geschaffen werden. Diese Nistplätze lassen sich P. lethifer einfach in Form von Holunderstab-Bündeln nach dem Prinzip eines Insektenhotels realisieren: Die Art nistet in diesen markhaltigen Stängeln. Um den Populationsaufbau zu beschleunigen erfolgt zusätzlich die Ausbringung von Holunderstäben mit bereits angelegten Nester von P. lethifer. Die Anpflanzung von Holunder führt weiterhin u.a. zu einer Erhöhung der strukturellen Biodiversität und trägt zum Erosionsschutz bei. Durch die Ansiedelung und Förderung des Nützlings P. lethifer wird der Blattlausbefall in den Betrieben dauerhaft und nachhaltig gesenkt. Entsprechend sinkt auch der Bedarf an Pflanzenschutzmitteln in der Fläche. Das Vorhaben trägt somit zu einem nachhaltigeren Pflanzenschutz und der Erhöhung der strukturellen und funktionellen Biodiversität im großflächigen Freilandgemüsebau bei.
Deutsche Bundesstiftung Umwelt