Institut für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit
Das Stolbur-Phytoplasma ‘Candidatus phytoplasma solani’ (PHYPSO) wurde erstmals 1935 in Kartoffeln beschrieben und tritt seit den 1950er Jahren unregelmäßig auf. Die Hauptüberträger sind Zikaden der Familie Cixiidae. In den letzten Jahren wurden Mischinfektionen von PHYPSO mit dem Gammaproteobakterium ‘Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus’ (ARSEPH) gemeldet. Im Gegensatz zu PHYPSO, das horizontal übertragen wird, kann ARSEPH vertikal auf die Nachkommen des Hauptvektors Pentastiridius leporinus übertragen werden. Mischinfektionen führen zur sogenannten bakteriellen Kartoffelknollenwelke, die durch Welken, Verfärbung der Blätter und sogenannte gummiartige Knollen gekennzeichnet ist. Dies kann zu Ertragseinbußen und einer Verschlechterung der Qualität und Lagerfähigkeit führen und damit schwerwiegende Beeinträchtigungen in allen nachgelagerten Verarbeitungsbereichen verursachen. Beide Krankheitserreger sind möglicherweise in Europa weit verbreitet, wurden jedoch aufgrund fehlender oder unzureichender Forschung nicht gemeldet. Stolbur stellt eine Gefahr für die Produktion von gesunden Pflanzkartoffeln dar, da Befälle gemäß der Pflanzkartoffelverordnung reguliert sind. PHYPSO ist als von der Union regulierter Nicht-Quarantäneschädling (RNQP) eingestuft, während ARSEPH nicht reguliert ist. Saatkartoffeln sind wahrscheinlich kein Hauptübertragungsweg. Dennoch muss das Risiko des Handels mit infizierten Knollen in Verbindung mit Unsicherheiten hinsichtlich des Vektorsystems und der genetischen Vielfalt der Krankheitserreger sorgfältig abgewogen werden.
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat