(Quedlinburg) Der Anbau von Ackerbohnen (Vicia faba L.) ist ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Landwirtschaft. Die Leguminose ist nicht nur eine heimische Proteinquelle, sondern trägt, wie alle Pflanzen der Familie, maßgeblich zur biologischen Stickstofffixierung bei. Sie reduziert also den Bedarf an energieintensivem mineralischem Stickstoffdünger und leistet einen wichtigen Beitrag zur Diversifizierung enger, getreidelastiger Fruchtfolgen. Trotz der genannten Vorzüge, spielte die Ackerbohne lange nur eine untergeordnete Rolle in der pflanzenzüchterischen Forschung. Das Julius Kühn-Institut rückt deshalb die Ackerbohne in den Fokus eigener Züchtungsforschung, etwa durch seine Beteiligung an dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Graduiertenkolleg „Accelerating Crop Genetic Gain“. Zudem treibt das Bundesforschungsinstitut die Vernetzung mit den Akteuren in Forschung und Praxis voran, etwa indem es im Dezember 2025 einen Workshop in Quedlinburg ausrichtete.
Ein besonderes Workshop-Highlight stellte die Keynote von Prof. Dr. Wolfgang Link von der Universität Göttingen dar, der auf rund 40 Jahre Ackerbohnen-Forschung zurückblickte und zentrale Erkenntnisse seines wissenschaftlichen Lebenswerks präsentierte. Es folgt ein Kurzinterview mit dem ausgewiesenen Ackerbohnen-Experten:
Hintergrundinformation zum Ackerbohnen-Workshop am JKI 2025:
Der Dezember-Workshop knüpfte an ein erstes Treffen der deutschen Ackerbohnen-Community im Jahr 2023 am Versuchsgut der Universität Göttingen an, das auf Einladung von Prof. Dr. Wolfgang Link stattfand. Er forscht seit über vier Jahrzehnten zur Ackerbohne und hat die Forschung zu dieser Kulturpflanze wie kein anderer in Deutschland und darüber hinaus geprägt (siehe Kurzinterview oben).
Rund 25 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Georg-August-Universität Göttingen, der Universität Kassel-Witzenhausen sowie dem JKI waren in Quedlinburg zusammengekommen, um sich u.a. über methodische Spezifitäten der Kulturpflanze auszutauschen. Das zweitägige Programm umfasste fünf thematische Sektionen:
- Biotechnology/Epigenomics
- Insects and Pathogens
- Source-Sink-Relationships and Seed Quality
- Breeding and Applied Genetics
- Abiotic Stress
Insgesamt wurden 15 Fachvorträge gehalten, überwiegend von Doktorandinnen sowie Postdoktoranden in frühen Karrierephasen, die von der der Optimierung von CRISPR/Cas9-Anwendungen, über verschiede Formen des abiotischen und biotischen Stresstoleranz bis zur digitalen Phänotypisierung das ganze Spektrum abdeckten. Der Workshop fungierte als Vernetzungsplattform für den wissenschaftlichen Nachwuchs.
Der Keynote-Vortrag „Faba bean’s dialogue across generations. The Old; the Untold; the New. And you: Breeding for good - feed and food“ von Wolfgang Link bot dem Nachwuchs zusätzliche Inspiration, weil der ausgewiesene Ackerbohnen-Experten neben wissenschaftlichen Errungenschaften auch wissenswerte Kenntnisse im praxisnahen und technischen Umgang mit der Ackerbohne weitergab, die in Manuskripten oft nicht in der Ausführlichkeit beschrieben werden, wie etwa die Optimierung der Fremdbestäubung durch Hummeln.
Im Rahmen des Workshops erhielten die Gäste die Gelegenheit, das gastgebende JKI-Fachinstitut für Resistenzforschung und Stresstoleranz kennen zu lernen. Im Gewächshaus konnten laufende Experimente der Arbeitsgruppen sowie die Phänotypisierungsplattform Plantarray zur hochauflösenden Erfassung des Transpirationsverhaltens besichtigt werden.
Der Workshop unterstrich eindrucksvoll die Bedeutung interdisziplinärer und institutionsübergreifender Zusammenarbeit für die Weiterentwicklung der Ackerbohne und setzte wichtige Impulse für zukünftige Forschungsaktivitäten.
Fazit zum Ackerbohnen-Workshop:
„Die Ackerbohnenzüchtung war lange durch fehlende genomische Ressourcen stark eingeschränkt. Mit der Verfügbarkeit des Genoms eröffnen sich nun neue Möglichkeiten, die Ackerbohne gezielt an den Klimawandel anzupassen und ihren Anbau als heimische Proteinquelle nachhaltig zu stärken“.
Zitat von Prof. Dr. Rod Snowdon, Uni Gießen, Leiter des DFG-Graduiertenkollegs „Accelerating Crop Genetic Gain“.