Inhalt: Stabsstelle Ackerbau und Boden
Rund ein Drittel der deutschen Landesfläche, etwa 11,8 Millionen Hektar, wird ackerbaulich genutzt. Auf diesen Flächen werden neben Nahrungs- und Futtermitteln auch biogene Rohstoffe erzeugt. Sie sichern zugleich die wirtschaftliche Grundlage vieler landwirtschaftlicher Betriebe und prägen unsere Kulturlandschaft.
Im Zentrum dieser Flächenbewirtschaftung steht der Boden ...
… Er ist weit mehr als ein Standort für Pflanzen, sondern ein lebendiges System. Als solches bildet er die Grundlage der landwirtschaftlichen Produktion und wird zugleich durch seine Nutzung geprägt. Der Boden bietet Lebensraum für unzählige Organismen wie Bakterien, Nematoden, Pilze, Insekten und Regenwürmer, speichert Wasser, stellt Nährstoffe bereit, bindet Kohlenstoff und setzt Schadstoffe um. Die Fruchtbarkeit unserer Böden bestimmt maßgeblich die Leistungsfähigkeit des Ackerbaus.
Doch das System steht vor großen Herausforderungen: Böden sind durch Erosion, Verdichtung, Humusabbau und den Verlust biologischer Vielfalt gefährdet. Gleichzeitig muss der Umgang mit natürlichen Ressourcen wie Wasser, Luft und Boden nachhaltig gestaltet werden. Der Ackerbau muss zudem stärker zum Klimaschutz beitragen und sich flexibel an die Folgen des Klimawandels anpassen.
Am Julius Kühn-Institut werden diese eng miteinander verknüpften Fragen interdisziplinär erforscht, von der Bodenbiologie über Nährstoffkreisläufe und Fruchtfolgegestaltung bis hin zu digitalen Methoden der Bodenkartierung und -bewertung. Ebenso wichtig ist die verständliche Vermittlung dieser Zusammenhänge, denn nur so lässt sich die gesellschaftliche Akzeptanz für einen nachhaltigen Ackerbau und Bodenschutz langfristig sichern.
Koordination Stabsstelle Ackerbau und Boden
- E-Mail: lorenz.kottmann@julius-kuehn.de
- Telefon: +49 531 596 2391 Mehr…
- E-Mail: linda.tendler@julius-kuehn.de
- Telefon: +49 531 596 2333 Mehr…
- E-Mail: thomas.kaempfer@julius-kuehn.de
- Telefon: +49 531 596 2315 Mehr…
Die Stabsstelle ist zentrale Ansprechpartnerin des BMLEH in allen Belangen hinsichtlich des Ackerbaus und des Bodens. Sie vernetzt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, bündelt aktuelle Forschungsergebnisse und Entwicklungen und erarbeitet praxisgerechte Lösungen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Dabei orientiert sie sich an den zentralen Handlungsfeldern der Ackerbaustrategie 2035 des BMLEH: Boden, Kulturpflanzenvielfalt und Fruchtfolgegestaltung, Düngung, Pflanzenschutz, Züchtung, Digitalisierung, Biodiversität, Klimaschutz und Klimaanpassung sowie Bildung und Beratung. Darüber hinaus verfasst die Stabsstelle fachliche Stellungnahmen, beantwortet parlamentarische Anfragen und wirkt an der Entwicklung von Konzepten für einen nachhaltigen Ackerbau und den Schutz des Bodens mit.
Dabei gilt: Forschung entfaltet ihre Wirkung erst, wenn sie die Praxis erreicht.
Umgekehrt liefert der Dialog mit Landwirtschaft, Beratung und Politik wichtige Impulse für die Forschung. Die Stabsstelle ist daher aktiv in Beiräten, Fachgremien und institutionenübergreifenden Arbeitsgruppen vertreten. Sie nimmt an Feldtagen, Fachgesprächen und Branchenveranstaltungen teil und fördert innerhalb des JKI die Vernetzung zwischen den Fachinstituten durch gemeinsame Forschungsprojekte und Arbeitsgruppen.
Wir sind angesiedelt am Institut:
JKI-Forschung zu Ackerbau und Boden
Das JKI bewirtschaftet an acht Standorten ca. 600 ha Versuchsfläche mit sehr unterschiedlicher Bodengüte. Dort werden vielfältige, teils hoch spezialisierte Fragestellungen im Freiland erforscht. Ergänzend stehen Gewächshäuser und Klimakammern für kontrollierte Untersuchungen zur Verfügung.
Lesen Sie hier mehr zu unseren Forschungsschwerpunkten Ackerbau und Boden:
Bodenforschung am JKI
Boden ist weit mehr als Wachstumssubstrat, er ist gleichzeitig Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen, Regulator für Wasser-, Luft-, Nährstoff- und Schadstoffflüsse durch Filter-, Puffer- und Speicherfunktionen, und Grundlage der Produktion von Nahrungs-, Futter- und nachwachsenden Rohstoffen. Am JKI wird diese gesamte Funktionsbreite erforscht: von Wurzel-Mikrobiom-Interaktionen, Bodenstruktur und Nährstoffkreisläufen über Treibhausgasemissionen und Humusaufbau bis zu bodenbürtigen Schaderregern und funktioneller Biodiversität. Beteiligt sind Arbeitsgruppen unterschiedlichster Fachinstitute, die gemeinsam zu einem ganzheitlichen Verständnis von Bodengesundheit und Ertragsfähigkeit beitragen.
Kulturpflanzenvielfalt und Anbausysteme
Die Wahl der Kulturen, der Sorten und des Anbausystems entscheidet maßgeblich darüber, wie produktiv, robust und umweltschonend ein Ackerbaubetrieb arbeitet. Am JKI wird erforscht, wie sich diversifizierte gegenüber eng spezialisierten Fruchtfolgen auf Erträge, Nährstoffkreisläufe und Schaderregerdruck auswirken. Ebenso wird untersucht, wie neue Sorten mit verbesserter Resistenz und Stresstoleranz entstehen und wie sich die Biodiversität produktionsintegriert fördern lässt, etwa durch Mischanbau, Streifenanbau oder Agroforstsysteme. Ziel ist es, Anbausysteme zu entwickeln, die auch unter sich wandelnden Bedingungen stabile Erträge sichern und zugleich die Vielfalt auf und um die Ackerfläche stärken.
Düngung und Pflanzenschutz
Düngung und Pflanzenschutz sind zentrale Stellschrauben dafür, wie produktiv und umweltschonend der Ackerbau wirtschaftet. Zu hoher oder falsch platzierter Einsatz schadet Klima, Gewässern und Biodiversität, zu wenig gefährdet den Ertrag. Am JKI wird erforscht, wie sich Düngemittel effizienter und bedarfsgerechter einsetzen lassen, wie sich Schaderreger im Ackerbau frühzeitig erkennen und eindämmen lassen und welche biologischen und technischen Alternativen den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel reduzieren können. Ebenso im Fokus steht die Ausbreitung neuer oder invasiver Schaderreger unter sich ändernden klimatischen Bedingungen sowie die nationale und internationale Pflanzengesundheit. Ziel ist ein wirksamer, aber ressourcenschonender Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, der Ertragssicherheit und Umweltschutz miteinander verbindet.
Klimafolgenanpassung und Klimaschutz
Trockenheit, Hitze und steigende CO₂-Konzentrationen verändern Wachstum, Ertragsbildung und Gesundheit von Kulturpflanzen bereits heute. Am JKI wird mit Freilandanlagen wie der Free Air Carbon dioxide Enrichment (FACE)-Technologie untersucht, wie Pflanzen auf die klimatischen Bedingungen der Zukunft reagieren und welche physiologischen Anpassungsmechanismen ihre Stresstoleranz erhöhen können. Gleichzeitig werden konkrete Maßnahmen erforscht, mit denen der Ackerbau selbst aktiv zum Klimaschutz beitragen kann - etwa durch die direkte Verminderung von Treibhausgasen oder der Kohlenstoffspeicherung in landwirtschaftlichen Böden. So entsteht ein doppelter Beitrag: Anpassung an den Klimawandel und aktiver Schutz vor dessen weiterer Verschärfung.
Digitalisierung und Entscheidungsunterstützung
Satellitenbilder, Sensordaten und digitale Modelle liefern heute Informationen über Ackerflächen in einer räumlichen und zeitlichen Auflösung, die mit der klassischen Datenerhebung im Feld nicht zu erreichen ist. Am JKI wird erforscht, wie sich Fernerkundung und Sensorik nutzen lassen, um die kleinräumige Variabilität von Boden und Beständen sichtbar zu machen. Ebenso wird untersucht, wie Modelle die Auswirkungen von Witterung, Klimawandel oder Bewirtschaftungsmaßnahmen prognostizieren können und wie aus diesen Daten praxistaugliche Entscheidungsunterstützungssysteme für Landwirtinnen und Landwirte sowie für die Politikberatung entstehen. Ziel ist es, digitale Werkzeuge so weiterzuentwickeln, dass sie fundierte, zeitnahe Entscheidungen im Ackerbau erleichtern.