Rund 65 geladene Gäste aus Wissenschaft, Politik und Weinbaupraxis nutzten den Tag für einen intensiven Austausch über die historischen Meilensteine und die drängenden Zukunftsfragen der Branche.
Strategische Bedeutung der Züchtung für den Klimawandel
Bereits in der Eröffnung des Präsidenten des Julius Kühn-Instituts, Prof. Dr. Frank Ordon, wurde die zentrale Rolle der Rebenzüchtung für den langfristigen Erhalt des Weinbaus unter sich wandelnden klimatischen Bedingungen deutlich. Er betonte zudem die erfolgreiche Synergie der am Standort ansässigen Institute für Rebenzüchtung (ZR) und Pflanzenschutz (OW). In Verbundprojekten wie „novisys“ und „PhytoMo“ werde bereits heute intensiv an Lösungen für den Klimawandel und neue Schadorganismen gearbeitet. Besonders die praktische Relevanz der JKI-Züchtungen wurde deutlich: Mit dem Regent, der in Spitzenzeiten auf 2.300 Hektar angebaut wurde, und den vielversprechenden Neuzüchtungen der Calardis-Serie (Blanc, Royal, Soleil) leiste das Institut einen messbaren Beitrag zur Transformation des Sektors.
Dr. Michael Koehler (BMLEH) ordnete das Jubiläum in einen größeren historischen Kontext ein. Er bezeichnete die Gründungsphase in den 1920er-Jahren als ein „goldenes Zeitalter“, in dem das Fundament für die heutige Spitzenposition Deutschlands in der Züchtung pilzwiderstandsfähiger Rebsorten (PIWIs) gelegt wurde. Koehler betonte: „PIWIs sind ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit!“ Sie seien das Instrument für einen ressourcenschonenden Weinbau und den Erhalt der Kulturlandschaft. Gleichzeitig mahnte er eine verantwortungsvolle Nutzung neuer Züchtungstechnologien an, um Innovationen im Dialog mit den Verbrauchern voranzutreiben.