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Inhalt: Ein Jahrhundert Innovation für den Weinbau von morgen: 100 Jahre Rebenzüchtung am Geilweilerhof

Am 24. April 2026 beging das JKI-Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof ein bedeutendes Jubiläum: Mit einem Festkolloquium feierte der Standort 100 Jahre erfolgreiche Züchtungsarbeit.

Rund 65 geladene Gäste aus Wissenschaft, Politik und Weinbaupraxis nutzten den Tag für einen intensiven Austausch über die historischen Meilensteine und die drängenden Zukunftsfragen der Branche. 

Strategische Bedeutung der Züchtung für den Klimawandel

Bereits in der Eröffnung des Präsidenten des Julius Kühn-Instituts, Prof. Dr. Frank Ordon, wurde die zentrale Rolle der Rebenzüchtung für den langfristigen Erhalt des Weinbaus unter sich wandelnden klimatischen Bedingungen deutlich. Er betonte zudem die erfolgreiche Synergie der am Standort ansässigen Institute für Rebenzüchtung (ZR) und Pflanzenschutz (OW). In Verbundprojekten wie „novisys“ und „PhytoMo“ werde bereits heute intensiv an Lösungen für den Klimawandel und neue Schadorganismen gearbeitet. Besonders die praktische Relevanz der JKI-Züchtungen wurde deutlich: Mit dem Regent, der in Spitzenzeiten auf 2.300 Hektar angebaut wurde, und den vielversprechenden Neuzüchtungen der Calardis-Serie (Blanc, Royal, Soleil) leiste das Institut einen messbaren Beitrag zur Transformation des Sektors.

Dr. Michael Koehler (BMLEH) ordnete das Jubiläum in einen größeren historischen Kontext ein. Er bezeichnete die Gründungsphase in den 1920er-Jahren als ein „goldenes Zeitalter“, in dem das Fundament für die heutige Spitzenposition Deutschlands in der Züchtung pilzwiderstandsfähiger Rebsorten (PIWIs) gelegt wurde. Koehler betonte: „PIWIs sind ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit!“ Sie seien das Instrument für einen ressourcenschonenden Weinbau und den Erhalt der Kulturlandschaft. Gleichzeitig mahnte er eine verantwortungsvolle Nutzung neuer Züchtungstechnologien an, um Innovationen im Dialog mit den Verbrauchern voranzutreiben.

Praxisdialog: Wirtschaftlichkeit und Technologietransfer

Für die Weinbaupraxis sprach Reinhold Hörner (Bauern- und Winzerverband RLP Süd). Er erinnerte an die ökonomische Strahlkraft früherer Geilweilerhof-Sorten wie Morio Muskat und Bacchus. Für die Zukunft formulierte er den Wunsch der Praxis, neue Technologien gezielt einzusetzen, um etablierte Rebsorten weiterzuentwickeln, ohne deren Identität zu verlieren. Hörner forderte zudem eine stärkere politische Unterstützung: Die Forschung sei die unverzichtbare Basis für die Zukunftsfähigkeit des Weinbaus und dürfe nicht durch Budgetkürzungen geschwächt werden.

Fachvorträge: Von den Anfängen bis zur genomischen Vorhersage

Der wissenschaftliche Teil des Kolloquiums beleuchtete die gesamte fachliche Tiefe der Disziplin:

Den Auftakt bildete Prof. Dr. Ernst Rühl, der den Bogen von der 11.000-jährigen Kulturgeschichte der Rebe bis zur Reblauskrise schlug. Er verdeutlichte, wie diese Krise die Notwendigkeit der Unterlagenzüchtung und Pfropfung erst begründete, und mahnte an, die genetische Vielfalt bei den Unterlagen künftig wieder deutlich stärker auszubauen. Ergänzend dazu erläuterte Prof. Dr. Reinhard Töpfer die strategische Ausrichtung des Instituts. In seinem Rückblick auf Schwerpunkte wie die Harmonisierung der Sortenidentifikation, die Erforschung biotischer Resistenzen gegen Erreger wie die Schwarzfäule sowie die Etablierung der sensorbasierten Phänotypisierung prognostizierte er einen Anstieg des PIWI-Anteils im deutschen Anbau auf bis zu sieben Prozent bis zum Jahr 2030.

Wie eng Züchtung und nachhaltiger Pflanzenschutz heute ineinandergreifen müssen, demonstrierte Prof. Dr. Jürgen Gross. Er präsentierte innovative Ansätze wie die Pheromon-Verwirrmethode und den Einsatz von Vibrationen zur Insektenkommunikation, die sogenannte Biotremologie, um Schaderregern wie der Goldgelben Vergilbung (Flavescence dorée) wirksam zu begegnen. Den rasanten Wandel in der Praxis verdeutlichte Anja Antes von der Rebschule Antes mit einem beeindruckenden Marktsignal: Ihr Betrieb veredelte im Jahr 2024 erstmals mehr PIWI-Sorten als klassische Reben. Damit verbunden forderte sie jedoch eine konsequente Anpassung des Weinrechts sowie eine bessere Positionierung dieser modernen Sorten im gehobenen Qualitätssegment. Den zukunftsgewandten Abschluss bildete Prof. Dr. Kai Peter Voss-Fels von der Hochschule Geisenheim, der das Potenzial der Genomeditierung und des „Predictive Breeding“ beleuchtete. Durch die präzise Vorhersage komplexer Merkmale bereits in frühen Entwicklungsstadien könne die Effizienz der Züchtung massiv gesteigert werden – ein entscheidender Faktor, da die Zukunft des Weinbaus heute unmittelbar mit dem technologischen Züchtungsfortschritt verknüpft ist.

Ein lebendiges Fazit

Moderiert wurde die Veranstaltung von der Pfälzischen Weinkönigin Antonia Cölsch, die mit ihrer Expertise und ihrem Charme die Brücke zwischen Forschung und regionaler Weinkultur schlug. Beim abschließenden Umtrunk mit Neuzüchtungen des JKI konnten sich die Teilnehmer persönlich von der Qualität der Arbeit überzeugen. Die „Zeitreise im Glas“ – von der Domina bis zu Calardis Soleil – bewies eindrucksvoll, dass der Geilweilerhof seit 100 Jahren Antworten auf die Herausforderungen des Weinbaus liefert.

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