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Ganz gleich, ob auf kleinen oder großen Feldern Getreide, Raps oder Kartoffeln wachsen, oder ob Gemüse in Gewächshäusern großgezogen wird. Immer können die Pflanzen ein „gefundenes Fressen“ für Schädlinge werden und sich Krankheitserreger einnisten. Oder es sind die unerwünschten Unkräuter, die mit den Kulturpflanzen um Licht, Wasser und Nährstoffe konkurrieren.

Das alles macht sich in einer geringeren Ernte bemerkbar. Die Ernteprodukte können auch mit Pilzgiften (Mykotoxinen) behaftet sein, die für Mensch und Tier gefährlich sind. Das JKI hat sich dem Schutz der Kulturpflanzen verschrieben, und das von der Aussaat bis zur Ernte und im Vorratsschutz. So wollen wir erreichen, dass ausreichend gesunde Nahrungs- und Futtermittel geerntet werden, die auch eine gute Qualität haben.

Pflanzenschutz = chemische Keule?

Schaut man sich heutige Berichte in den Medien an, dann kann leicht der Eindruck entstehen, dass im Pflanzenschutz immer die „chemische Keule“ geschwungen wird. Es ist richtig, dass seit den 1950er Jahren die Landwirtschaft durch die Entwicklung von Agrochemikalien wie Mineraldünger und chemische Pflanzenschutzmittel stark intensiviert werden konnte. Pflanzenschutzmittel kosteten verhältnismäßig wenig, ihre Wirkung gegen die Schaderreger war hoch und die Erträge konnten wesentlich gesteigert werden. Nur so war es möglich, ausreichend Nahrungsmittel zu wesentlich niedrigeren Preisen zu produzieren als zuvor. Doch relativ rasch wurden auch unerwünschte Wirkungen bekannt (negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, Resistenzentwicklungen, Anhäufung schwer abbaubarer Stoffe wie DDT, zu viele Routinebehandlungen). Das zunehmende Wissen und die Aufmerksamkeit der Gesellschaft um ökologische Zusammenhänge haben in der Landwirtschaft zu einem Wandel in Richtung auf eine umweltschonendere Landbewirtschaftung geführt – ein Prozess, der kontinuierlich weitergeführt wird. Mehr dazu in den folgenden Texten.

Was versteht man unter Integriertem Pflanzenschutz IPS?

Jedes Ökosystem ist bis zu einem bestimmten Maße widerstandsfähig gegenüber Störungen. Diese so genannte Resilienz soll heute und künftig für alle Anbauformen (Integrierter Anbau, Ökologischer Landbau) erhalten bleiben. Aus dieser Erkenntnis ist der Wunsch nach einem „integrierten Pflanzenschutz“ (IPS) entstanden. Dieser Begriff ist schon lange gesetzlich verankert. Jedoch ist er in der breiten Öffentlichkeit bis heute nur teilweise bekannt. Unter integriertem Pflanzenschutz versteht man, dass bevorzugt nicht-chemische Mittel und Maßnahmen verwendet werden. Erst dann, wenn diese Mittel und Maßnahmen nicht zur Verfügung stehen bzw. nicht greifen, wird auf chemische Pflanzenschutzmittel zurückgegriffen. Diese Strategie des Pflanzenschutzes ist noch heute hochaktuell. Sie wird kontinuierlich an die Neu- und Weiterentwicklung umweltschonender Mittel und Verfahren angepasst. Sehr große Erfolge mit integrierten Pflanzenschutzmaßnahmen wurden im Obstbau erreicht.

Seit 1986 ist der IPS im Pflanzenschutzgesetz (PSchG) gesetzlich vorgeschrieben. Darin heißt es, dass „die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß beschränkt wird“. Vorbeugende Maßnahmen wie biologische und biotechnische Verfahren oder der Anbau nicht anfälliger Sorten sind vorrangig anzuwenden.

Bei allen Diskussionen um Landwirtschaft muss beachtet werden, dass es beim Anbau von Pflanzen keine Patentrezepte bzw. keine standardisierten Produktionsabläufe wie in einer Fabrik gibt. Ist ein Jahr feucht und kalt oder trocken und warm, vermehren sich ganz verschiedene Schädlinge und Krankheiten unterschiedlich stark. Der Landwirt muss daher flexibel und schnell auf die jeweilige Situation reagieren.

Nationaler Aktionsplan Pflanzenschutz (NAP)

International wird der IPS weltweit als Leitbild für eine nachhaltige Landwirtschaft anerkannt (Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 und Agenda 21). Seit einigen Jahren gibt es eine EU-Richtlinie (Rahmenrichtlinie Pestizide 2009/128/EG) mit einem gemeinsamen Aktionsplan für eine nachhaltige Entwicklung der Verwendung von Pestiziden für alle Länder der EU. Viele langfristige Arbeiten aus Deutschland und des JKI sind in diese EU-Richtlinie eingeflossen. In Deutschland sind deren gesellschaftspolitisch gewollten Ziele im Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) verankert. Das JKI ist mit umfangreichen Aktivitäten, Untersuchungen, Auswertungen von Daten, Berechnungen von Indikatoren und Koordinierungstätigkeiten sowie eigenen Forschungen am Gelingen des NAP beteiligt. Das erklärt auch, warum dieser Begriff in diesen Texten so oft auftaucht.

Pflanzenschutz im JKI

Das JKI berät die Politik, wie der Pflanzen- und Vorratsschutz weiterentwickelt und ausgestaltet werden kann. Hierzu gehört die Entwicklung und Bewertung hinreichend wirksamer Mittel und Verfahren. Besonderer Bedarf besteht an biologischen, biotechnischen, physikalischen, sowie kulturtechnischen Verfahren und Methoden. Außerdem sollen die Risiken, die von der Anwendung chemischer Mittel ausgehen können, so gering wie möglich gehalten werden. Um hier für Politik und Öffentlichkeit den Fortschritt dokumentieren zu können, koordinieren wir zum einen ein Netz von Vergleichsbetrieben, die langfristig die Intensität und die Veränderungen der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln dokumentieren. Zusätzlich wurde im Jahr 2010 das bundesweite Modellvorhaben „Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz“ gestartet, in dem neue und altbewährte, aber in Vergessenheit geratene Verfahren angewendet werden. Diese Betriebe mit „Multiplikatorfunktion“ werden vom JKI und den Landeseinrichtungen intensiv betreut und unterstützt. Auf der Grundlage der Auswertung und Analyse riesiger Datenmengen und der Verknüpfung von GIS-Daten, Daten über das Auftreten der Schaderreger, Klimadaten u.v.m. stellen wir umfangreiche Informationen und online abrufbare Details (on demand) zur Verfügung. Ein Beispiel ist unser GeoPortal, mit dem interaktive Landkarten für bestimmte Kulturpflanzen und ihre Gefährdung durch wichtige Schädlinge etc. erstellt werden können.

Die Experten des JKI bewerten darüber hinaus neue Pflanzenschutzmittel und deren Wirkstoffe auf ihre Wirksamkeit und Risiken (siehe Thema „Das JKI als Behörde“). Einen weiteren vorsorglichen Schutz von Pflanzen leistet das JKI, indem es die Risiken neuer gefährlicher Arten, die mit dem globalen Warenverkehr eingeschleppt werden, analysiert und mithilft, geeignete Bekämpfungsmaßnahmen zu erstellen (siehe Thema „Pflanzengesundheit“).