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Inhalt: ROBUSTGemuese evaluiert die Resilienz des ökologischen Gemüsebaus. In breit angelegten Monitorings wird das Auftreten bekannter und neuer Schadorganismen untersucht.

 

Forschende von zwei Braunschweiger Fachinstituten des Julius Kühn-Instituts (JKI) untersuchen in dem aktuellen Verbundprojekt ROBUSTGemuese das Auftreten aktueller, relevanter und neuartiger Krankheitserreger im ökologischen Anbau von Möhre, Zwiebel und Kartoffel. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Schadinsekt Schilf-Glasflügelzikade, das inzwischen auch Gemüsekulturen befällt und durch seine Saugtätigkeit Bakterienkrankheiten überträgt. Das Ziel des Projekts ist die systematische Stärkung der Resilienz der Betriebe und eine enge Verknüpfung von Praxiserfahrungen und Wissenschaft. Das JKI bearbeitet im Projekt zwei Schnittstellen-Themen, welche verschiede kultur- und regionalspezifische Praxisnetzwerke verknüpfen. Neben Monitorings und dem Nachweis von Pathogenen, werden im Feldversuch auch Methoden getestet, um dem Befall mit Schadorganismen vorzubeugen, etwa durch Untersaaten oder bewusste Fruchtwechsel. Im Schnittstellenthema 1 geht es um das Phytopathologische Monitoring und Diagnostik (FK 2824OE016E/Fördersumme: 823.715 Euro). Im Schnittstellenthema 2 werden Präventive Pflanzenschutzmaßnahmen erprobt (FK 2824OE016M/Fördersumme: 251.393 Euro).

Phytopathologisches Monitoring und Diagnostik

Das JKI-Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und urbanen Grün (G) erforscht das Auftreten aktueller, relevanter und neuartiger Krankheitserreger an Möhre, Zwiebel und Kartoffel. Dazu werden sowohl mit klassischen Methoden Pilze, Bakterien und Oomyzeten isoliert, als auch mittels molekularbiologischer Methoden, wie Nextgeneration Sequencing und DNA Barcoding identifiziert. Werden neue Pathogene entdeckt, sollen durch Infektionsversuche im Gewächshaus die Koch’schen Postulate überprüft werden.

Im ersten Jahr ist das Monitoring zunächst ungerichtet, um den Status quo von Pflanzenkrankheiten in den Gemüsekulturen zu erfassen. In den Folgejahren wird das Monitoring dann im engen Austausch mit den Praxisforschungsnetzwerken und Praxisbetrieben auf wirtschaftlich relevante Pathogene beschränkt. Einige Beispiele wären hier die bakteriellen Erreger Candidatus Phytoplasma solani und Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus, welche zum Teil erhebliche ökonomische Schäden in diverseren Gemüsekulturen hervorrufen können. Aber auch altbekannte Krankheitserreger wie der Oomyzet Phytophthora infestans, der Erreger der Kraut- und Knollenfäule an Kartoffeln oder der Pilz Alternaria dauci, der die Möhrenschwärze verursacht, werden erfasst. Ein weiteres Ziel der Arbeiten ist es einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Pathogene und Standortfaktoren, Anbaumaßnahmen, Pflanzengenotypen und Furchtflogen festzustellen.

Im zweiten Arbeitspaket beschäftigt sich das Team vom JKI-Institut für Pflanzenschutz im Ackerbau und Grünland (A) mit dem Monitoring der Schilf-Glasflügelzikade, Pentastiridius leporinus, im Bundesland Nordrhein-Westfalen und dem Vorkommen der beiden durch die Zikade übertragenen Pathogene (Ca. Phytoplasma solani und Ca. Arsenophonus phytopathogenicus) an Gemüsekulturen. Infektionen mit den Erregern führten in den vergangenen Jahren zu deutlichen Ertragsausfällen bis hin zu ökonomischen Totalverlusten insbesondere bei stark befallenen Kartoffel- und Gemüseschlägen. Für den ökologischen Landbau stehen bislang wenige Anpassungsstrategien zur Verfügung. Zudem gibt es nur sehr wenig belastbare Forschung zu dem Vektorsystem an Gemüsekulturen. Die hier geplanten Untersuchungen sollen dringende Fragen zur Biologie und Ökologie der Schilf-Glasflügelzikade und zu Infektionsverläufen an Gemüsekulturen klären. Die neu gewonnen Erkenntnisse könnten dann auf andere Regionen und Kulturen übertragen werden und Kontrollmaßnahmen in der Praxis unterstützen.

Präventive Pflanzenschutzmaßnahmen

Im Schnittstellenthema 2 werden unter Federführung des JKI-Instituts für Pflanzenschutz in Gartenbau und urbanen Grün (G) ganzheitliche Ansätze zur Schädlingskontrolle und Stärkung der Betriebsresilienz im ökologischen Freilandgemüsebau zu entwickelt. Der Fokus liegt auf der Entwicklung offener Zuchtsysteme im Freiland, dem Test und Vergleich von Mulch und Untersaatsystemen und der Entwicklung eines Praxisleitfadens für den Blühpflanzeneinsatz. Entsprechend soll der Nutzen dieser vier präventiven Verfahren bewertet und, wo möglich, in Betrieben erprobt und verbessert werden.

Der gezielte Einsatz von Nützlingen wie Schlupfwespen durch offene Nützlingszuchtsysteme birgt aufgrund der geringen Kosten pro Fläche und der nachhaltigen Wirkung großes Potenzial für den Einsatz im Freiland und soll im Projekt erprobt werden. Als Modellverfahren wird Gerste als so genanntes „Banker Plant“ genutzt, auf der Getreideläuse als Wirt für den Parasitoiden Diaretiella rapae etabliert werden. In Kombination mit gedrillter Gerste zum Übersiedeln wird sichergestellt, dass ein wichtiger Gegenspieler von Myzus persicae und Brevicoryne brassicae bereits im Kohlfeld etabliert ist, bevor der Kohl von diesen Blattläusen befallen wird. Die Anzucht und Produktion der Banker Plants erfolgt über die Katz Biotech AG entwickelt und wird in Halbfreilandversuchen am JKI getestet und weiter optimiert. 

Die Untersuchung der Wirksamkeit von Untersaaten und Mulchsystemen zur Schädlingsregulierung könnte künftig einen weiteren Schwerpunkt der Forschung auf Betriebsflächen bilden. Interessierte Betriebe werden über die Praxisforschungsnetzwerke identifiziert und die Versuchsdurchführung und Datenerhebung für den Bereich Pflanzenschutz am JKI koordiniert. 

Empfehlungen zum gezielten Einsatz von Blühpflanzen zur Förderung von Nützlingen und zur Schädlingsregulation werden anhand vorhandener Literatur erarbeitet. Dabei werden gezielt die Umsetzbarkeit der Maßnahmen in den Praxisforschungsnetzwerken im Projektverbund diskutiert und abgeschätzt. Die Wirksamkeit der Maßnahmen wird anhand auszuwertender Literatur erarbeitet. Aus der Arbeit resultiert die Bereitstellung von Empfehlungen und Maßnahmenlisten für Betriebe, die dadurch bei der Förderung funktioneller Biodiversität unterstützt werden. 

Eckdaten zum Projekt

Projektträger: BLE mit Mitteln aus dem Bundesprogramm Ökologischer Landbau, BÖL

 

 

Laufzeit: 12/2025 bis 11/2028

Allgemeine Ziele von ROBUSTGemuese:

  1. Dokumentation des Status quo der Resilienz des ökologischen Freiland-Gemüsebausektors in Deutschland
  2. Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses des Begriffs „Resilienz“ von Praxis und Wissenschaft sowie fördernder und hemmender Faktoren der betrieblichen Resilienz
  3. Weiterentwicklung und Skalierung bestehender betrieblicher Innovationen sowie Erprobung neuer Ideen im Rahmen von Praxisforschungsnetzwerken zur Erhöhung der betrieblichen Resilienz
  4. Befähigung der Betriebe zur Einschätzung und Bewertung der eigenen Resilienz 

 

Vom JKI beteiligte Personen:

Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland (A): Dr. Johannes Hausmann, Dr. Carolin Popp, Dr. Simon Schiwek (Projektkoordination und -leitung Schnittstellenthema 1)

Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und urbanem Grün (G): Dr. Elias Böckmann (Projektleitung Schnittstellenthema 2), Dr. Monika Götz (Projektleitung Schnittstellenthema 1), Dr. Nemanja Kuzmanovic

 

Projektpartner:

  • Öko-BeratungsGesellschaft mbH (Naturland)
  • Bioland Beratung GmbH
  • Demeter Beratung e.V.
  • Universität Hohenheim
  • Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau, IGZ e.V.
  • Universität Kassel
  • DBFZ, Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH
  • Zentrum für Betriebswirtschaft im Gartenbau e.V. (ZBG)
  • Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde, HNEE
  • KATZ Biotech AG
  • Landesbestrieb Landwirtschaft Hessen (LLH)
  • Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen 

Hinweis:

Auf das JKI-Fachgespräch zu SBR und Stolbur: https://sbr-stolbur.julius-kuehn.de/web/

Am 5./6. März 2026 findet am Julius Kühn-Institut Braunschweig ein Fachgespräch zum SBR/Stolbur Komplex statt. Die Schilf-Glasflügelzikade ist der Hauptüberträger der Krankheitserreger u.a. werden Ergebnisse des JKI-Monitorings (2024-25) vorgestellt sowie die Situation in den Nachbarländern Niederlande, Frankreich, Österreich beleuchtet.

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