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Inhalt: Monitoring zeigt: Schilf-Glasflügelzikade auf dem Vormarsch.

Fast 300 Teilnehmende verfolgten JKI-Fachgespräch, das Landwirtschaftsminister Rainer mit Videobotschaft eröffnete.

Der Sitzungssaal am Standort Braunschweig-Messeweg des Julius Kühn-Instituts war mit 122Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Präsenz voll ausgelastet. Weitere 170 Gäste verfolgten online das Fachgespräch am 5.-6. März 2026, auf dem u.a. die aktuellen Zahlen zur Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade in Deutschland und neue Forschungsergebnisse zu Wirtspflanzen, zu Infektion und Diagnostik, des vom Vektorinsekt übertragenen Krankheitskomplexes SBR/Stolbur vorgestellt wurden. 

Dass die Lage für die Anbaubetriebe von Zuckerrüben, Kartoffeln und Gemüse weiterhin ernst ist, daran ließ auch die Videobotschaft von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer keinen Zweifel aufkommen. „Auch in diesem Jahr müssen wieder zahlreiche Maßnahmen ergriffen werden, um die Zikade und den von ihr verursachten Befall bestmöglich einzudämmen. Dabei sollten wir den gesamten Baukasten des integrierten Pflanzenschutzes nutzen.“ Der Minister hatte sich selbst im Herbst 2025 ein Bild von der Lage in einem Zuckerrüben-Anbaugebiet in Sachsen-Anhalt gemacht siehe dazu diese JKI-Meldung

Das Julius Kühn-Institut stellte seine Ergebnisse aus den bundesweiten Monitorings zum Auftreten des Schaderregers vor. Demnach waren mit Stand Ende 2025 in Deutschland 119.000 Hektar der Zuckerrüben- und knapp 40.000 Hektar der Kartoffelanbaufläche im Verbreitungsgebiet der Schilf-Glasfügelzikade betroffen (https://doi.org/10.5073/20260303-113346-0, Publikation Journal für Kulturpflanzen/Blickpunkt bei A). Zur Erhebung der Daten wird eng mit den Pflanzenschutzdiensten der Bundesländer zusammengearbeitet. Dabei wurden auch erste Erkenntnisse gesammelt, ob bestimmte Insektizide, die in HotSpot-Regionen im Rahmen von Notfallzulassungen eingesetzt wurden, Wirkung zeigen. In einer Modellregion in Sachsen-Anhalt wird erprobt, wie effektiv sich die so genannte „Schwarzbrache“ auf die Vermehrungsrate auswirkt. Die abgeernteten Zuckerrüben- oder Kartoffelfelder nach der Ernte bis zum nächsten Frühjahr nicht mehr zu bepflanzen, gilt als derzeit wichtigstes Instrument, um die Anzahl des Schadinsekts zu reduzieren.

Mit großer Spannung wurden die Berichte aus den europäischen Nachbarländern verfolgt.

In den Niederlanden wurden ca. 200 Verdachtsproben (mehrheitlich aus Zuckerrüben sowie auch Kartoffeln und einzelne Proben aus Möhren und Zwiebeln) aus Regionen nahe der deutschen Grenze untersucht. In sehr geringem Umfang wurde Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus nachgewiesen. Adulte Zikaden wurden nicht nachgewiesen. Neue Ergebnisse werden aus dem Projekt VectPath AB, einer Private Public Partnership, in den Niederlanden erwartet.

Auch in Frankreich wurde nach der Wiederaufnahme des Monitorings im Jahr 2023 in den Regionen Burgund sowie im Elsass erneut ein Befall mit SBR festgestellt. Im Jahr 2025 wurden in einem landesweiten Monitoring 2400 Individuen gefangen, von denen ca. 30% mit SBR infiziert waren. Auch in Frankeich wurde ein Projekt initiiert, das sich in den nächsten 5 Jahren dem Komplex SFGZ detailliert widmen wird.  

Aus Österreich wurden Untersuchungen vorgestellt, die zeigten, dass auch durch weitere regional unterschiedlich auftretende Zikadenarten die Erreger verbreitet könnten.

Erneut waren darüber hinaus Vertreterinnen und Vertreter aus Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen, Züchtungsunternehmen, Beratungsfirmen, Anbauverbänden der Einladung des JKI gefolgt. In 28 Fachvorträgen und auf 5 Postern wurden verschieden Aspekte aus Grundlagen- und angewandter Forschung präsentiert. Dabei ging es beispielsweise um die Präferenzen des Vektorinsektes, um Diagnostik der Schadorganismen in den verschiedenen Kulturen, um den Erfolg von Maßnahmen, die Insektenpopulation rasch abzusenken, wie Repellentwirkung von Brassica-Arten, sortenabhängige Krankheitstoleranzen oder Wirkung von Managementmaßnahmen, vor allem der Fruchtfolge, sowie auch um Bekämpfungsansätze mit mittels RNA sowie dem Einsatz von Duft- oder Vergrämungsstoffen.

Hintergrund: Seit 2008 in Süddeutschland (Südbaden) die ersten Zuckerrüben gefunden wurden, die Krankheitssymptome des so genannten Syndrome Basses Richesses, kurz SBR, zeigten, hat sich die Lage dramatisch gewandelt. Das liegt vor allem an der hohen Anpassungsfähigkeit der Schilf-Glasflügelzikade, die als Vektorinsekt gleich zwei bakterielle Krankheitserreger überträgt. Die Schadorganismen sind das zellwandlose Bakterium Candidatus Phytoplasma solani und Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus. Ersteres ruft das Krankheitsbild Stolbur hervor, im Volksmund auch Gummirübe genannt. Beide Erreger führen zum SBR-Krankheitsbild, welches durch niedrigere Zuckergehalte, verformte, kleinere und weiche Rüben gekennzeichnet ist. Die Schilf-Glasflügelzikade, die inzwischen als Schadinsekt angesprochen werden muss, hat 2022 nachweislich einen Wirtswechsel auf die Kartoffel vollzogen und kann sich nun sowohl an Zuckerrüben als auch an Kartoffeln vollständig entwickeln. Das Insekt hat sich in den Feldbeständen rasant vermehrt. Das Proteobakterium Ca. Arsenophonus phytopathogenicus wurde in diversen Gemüsekulturen nachgewiesen, darunter Zwiebeln, Rote Beete und Karotten. Die Experten sind sich daher einig, dass die Zikaden auch diese Pflanzen besuchen und beim Anstechen und Saugen die Bakterien übertragen. 

Weitere Informationen zu JKI-Forschung zum Themenkomplex siehe Kühn-Konkret

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