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BMEL fördert JKI-Forschung zur Regulierung der Kirschessigfliege mittels heimischer Schlupfwespenarten

Zehrwespe (Trichopria) parasitiert die Puppe einer Kirschessigfliege © C. Englert/JKI
Zehrwespe (Trichopria) parasitiert die Puppe einer Kirschessigfliege © C. Englert/JKI
Neue Zehrwespe (Trichopria) schlüpft aus der Puppenhülle einer Kirschessigfliege © C. Englert/JKI
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner übergibt Förderbescheid für ParaDrosu-Projekt an die JKI-Koordinatorin Dr. Annette Herz (Videokonferenz/20.04.21) © BMEL/J. Schmitz/photothek.d

Die ursprünglich aus Asien stammende Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) wurde vor zehn Jahren erstmals in Deutschland nachgewiesen. Sie hat sich rasch ausgebreitet und stellt den wirtschaftlichen Anbau von Kirschen und Beerenfrüchten vor enorme Herausforderungen. Die Weibchen sind durch ihren sägeartigen Eiablageapparat in der Lage, ihre Eier in intakte erntereife Früchte zu legen. Der Larvenfraß verursacht einen raschen Zerfall der Kirschen und Beeren, die dann nicht mehr ernte- und vermarktungsfähig sind. Im neuen Forschungsvorhaben „ParaDrosu“ wollen Forschende des JKI gezielt Schlupfwespen gegen den Obstschädling einsetzen. Diese natürlichen Gegenspieler sind in der Lage, die Tönnchenpuppen der Kirschessigfliege am Boden, in Früchten oder an Pflanzen aufzufinden, zu befallen und abzutöten. Dazu bündelt das Konsortium, das mit rund 730.000 Euro vom Bundeslandwirtschaftsministerium, dem BMEL, gefördert wird, die Kompetenz zweier Fachinstitute des JKI, namentlich dem Institut für Biologischen Pflanzenschutz (Darmstadt) und dem Institut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau (Dossenheim), des Instituts für Phytomedizin der Hochschule Geisenheim University und des Nützlingsproduzenten Katz Biotech AG im brandenburgischen Baruth. Weiterhin mit im Boot sind eine Reihe von Praxisbetrieben in Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in denen das Verfahren getestet wird.

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner übergab am 20.04.21 in einer Videokonferenz die Förderbescheide für das „ParaDrosu-Verbundprojekt“ und gab so den offiziellen Startschuss. Bisher existiert in Deutschland noch kein vergleichbares Verfahren zur Regulierung der Kirschessigfliege, das auf dem Einsatz heimischer Nützlinge basiert. Am aussichtsreichsten gilt derzeit das Einnetzen der Obstkulturen mit sehr kleinmaschigen Netzen, die das Einfliegen der weiblichen Kirschessigfliegen verhindern. „Unser Ziel ist es, dem Beerenobstanbau ein anwendungsreifes und in der Praxis geprüftes Verfahren auf der Basis dieser speziellen Nützlinge an die Hand zu geben“, erklärt Dr. Annette Herz vom JKI in Darmstadt. Mit Hilfe der Pupalparasitoide hoffen die Forschenden die schädliche Kirschessigfliege sowohl in der Kultur als auch in angrenzenden Vermehrungsherden zu kontrollieren. Um die Schädlingspopulation langanhaltend über die Saison hinweg niedrig zu halten, müssen unterschiedliche Schlupfwespenarten in ausreichender Zahl und in sinniger Form in die Anlagen eingebracht werden. Der Nützlingseinsatz ist ein „mitdenkendes“, biologisches Pflanzenschutzverfahren, da die Puppen des Schädlings gezielt aufgesucht werden und nach dem Absterben des Schädlings auch die Nützlinge wieder verschwinden.

Die offizielle Presseinformation des BMEL findet sich hier: https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2021/066-pflanzenschutz.html

Hintergrund

Der Anbau von Beerenobst ist ein bedeutender Erwerbszweig im deutschen Gartenbau und Voraussetzung dafür, den Verbraucherinnen und Verbrauchern die gewünschten hochwertigen Früchte aus regionaler Produktion zur Verfügung zu stellen. Der Erfolg einer wirtschaftlichen und gleichzeitig nachhaltigen Erzeugung wird allerdings vermehrt durch invasive gebietsfremde Arten und durch Klimaerwärmung in ihrer Bedeutung zunehmender Schaderreger gefährdet. Für einen zukunftsfähigen Beerenobstanbau bedarf es innovativer und auf die aktuelle Schädlingsproblematik zugeschnittener Pflanzenschutzverfahren. Durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit kann die Kirschessigfliege derzeit nur durch ein breites Spektrum an Maßnahmen kontrolliert werden. Neben einer intensiven Überwachung des Auftretens der Fliegen und Beginn ihrer Eiablage in der betreffenden Kultur sind alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen zu berücksichtigen, wie Insektizide, Schutznetze, zügige Ernte, kurze Ernteintervalle und sorgfältigste Hygiene bei der Ernte. Die empfohlenen Maßnahmen wurden sehr gut von der Praxis aufgenommen und führten bereits zur Reduktion der Insektizidanwendungen gegen diesen Schädling. Die Forschung zu Pflanzenextrakten, Lockstoffen, Repellentien oder verfügbaren mikrobiellen Präparaten zeigte bisher eher Grenzen als neue Möglichkeiten auf. Die Kirschessigfliege ist jedoch durchaus empfindlich gegenüber verschiedenen Krankheitserregern (Pilzen, Viren oder Fadenwürmern), wird gerne von Nützlingen gefressen und entwickelt sich zum bevorzugten Opfer von etlichen heimischen Schlupfwespenarten.