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Pflanzenschutz im Wald: Wie viel Verzicht ist möglich?

Gefräßige Afterraupen der Kiefernbuschhornblattwespe (Diprion pini) an einem Kiefernzweig. © Nadine Bräsicke/JKI
Nadelverlust an Kiefern im nordostdeutschen Tiefland verursacht durch die Afterraupen einer zweiten Generation der Gemeinen Kiefernbuschhornblattwespe (Diprion pini). © Nadine Bräsicke/JKI

Projektstart für AWANTI: JKI und Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde analysieren Nutzen und Risiken der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln im Wald.

(Kleinmachnow) Die massenhafte Ausbreitung von Borkenkäfern verursachte in den vergangenen Jahren enorme Waldschäden in Deutschland. Witterungsextreme wie Dürren und heiße Sommer, wie sie im Zuge des Klimawandels vermehrt erwartet werden, befördern Massenvermehrungen von Schadinsekten, die das Ökosystem Wald als Ganzes bedrohen. Ein vielfältiger Waldumbau mit klimaangepassten Baumarten soll auf lange Sicht dazu beitragen, dass die Widerstandskraft von Wäldern gegen solche Schadereignisse erhöht werden. Kurzfristig müssen jedoch die Strategien zum Waldschutz angepasst werden.

Dazu trägt das nun gestartete Verbundprojekt AWANTI bei, in dem das Julius Kühn-Institut (JKI) und das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Wald in Bezug auf ökologische Risiken und ökonomischen Nutzen abwägen wollen. Im Kern geht es darum, den Wald zu erhalten, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln dabei weiterhin so gering wie möglich zu halten, ohne jedoch die Wälder ganz einzubüßen. „Zu diesem Zweck wollen wir Kriterien erarbeiten, um eine objektive, wissenschaftsbasierte sowie transparente Entscheidungsgrundlage für Waldschutzmaßnahmen zu ermöglichen. Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht dabei die Ausbringung von Insektiziden aus der Luft“, sagt Martin Karabensch, der Projektkoordinator vom Julius Kühn-Institut in Kleinmachnow.

Die Ausbringung per Hubschrauber und räumlich wie zeitlich angepasste Anwendungsbedingungen bis hin zum kompletten Verzicht auf Pflanzenschutzmittel sollen gegenübergestellt und hinsichtlich des ökonomischen Nutzens und einer ökologischen Risikominderung ganzheitlich bewertet werden. Die Entscheidungen erfolgen beispielhaft anhand repräsentativer Szenarien für ausgewählte Bundesländer. Zu den Parametern, die der Entscheidung zu Grunde gelegt werden, zählen beispielsweise die vom Schädlingsbefall ausgehende Gefährdung (Nadel- bzw. Blattverlust, Befallsdruck), der Baumbestand (Alter, Baumart, Bestockungsdichte) und der Standort (Witterung, Bodeneigenschaften, Landschaftsstruktur, Topografie). Auch rechtliche Auflagen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln werden berücksichtigt. Die aus den Untersuchungen abgeleiteten situationsbezogenen und nachhaltigen Strategien des Risikomanagements für die Ausbringung von Insektiziden per Hubschrauber im Forst werden schließlich allen relevanten Entscheidungsträgern und Akteuren über eine Internetplattform bereitgestellt.    

Zum Projekt
Gefördert wird das auf drei Jahre (bis 2022) angelegte Projekt AWANTI vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR). Koordinator ist das JKI-Fachinstitut für Strategien und Folgenabschätzung (SF) in Kleinmachnow. Partner sind das JKI-Fachinstitut für Pflanzenschutz in Gartenbau und Forst (GF) in Braunschweig und das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE).