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Sanddornsterben: Wo steht die Forschung?

Gesunde Sanddornpflanze. ©Yulia Khlebnikova/Unsplash

Das Verbundprojekt „Sanddornsterben“ hat sich zum Ziel gesetzt, die Ursachen des seit einigen Jahren auftretenden großflächigen Absterbens der Pflanzen zu klären und entsprechende Bekämpfungsstrategien zu entwickeln.

Das Julius Kühn-Institut (JKI) ist neben der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei (LFA),dem Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) sowie Praxispartner aus Mecklenburg-Vorpommern Teil des vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderten Verbundprojektes. Projektträger ist die Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR). Sowohl abiotische Aspekte wie Sortenwahl, Nährstoffversorgung und Bewässerung (LFA) als auch chemische und biologische Pflanzenschutzmaßnahmen (LALLF) werden im Rahmen des Projektes untersucht.

Das JKI-Fachinstitut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau in Dossenheim hat den Part der Pathogendiagnostik übernommen. Sanddornpflanzen aus Plantagen und Wildbeständen aus ganz Norddeutschland werden insbesondere auf Pilze, aber auch auf Phytoplasmen (zellwandlose Bakterien) und Viren untersucht.

Anhaltspunkte liefert unseren Forschenden die langjährigen Erfahrungen mit der Esca-Krankheit der Rebe. Hier verursachen mehrere Pilze u.a. die Zerstörung des Holzes – eine ähnliche Problematik könnte dem Absterben der Sanddorn-Pflanze zugrunde liegen.

Im Folgenden hat unsere Wissenschaftlerin Dr. Carolin Popp die wichtigsten Fragen zum Thema beantwortet:

  • Sterben die Sträucher nur in Mecklenburg ab oder auch in Holstein?

Sanddorn wird historisch bedingt im Nordosten des Landes angebaut. Das ganze Gebiet ist aktuell vom Absterben der Pflanzen betroffen, sowohl Plantagen als auch Wildbeständen entlang der Küste.

  • Wie sieht es in Sachsen-Anhalt und Brandenburg aus?

Auch in diesen beiden Bundesländern findet man Gebiete und Plantagen, die vom Sanddornsterben betroffen sind.

  • Gibt es schon Anhaltspunkte zu den Ursachen? Klimawandel? Oder ein neu auftretender Schadorganismus?

Auf Grund der Symptomatik gehen wir von einer biotischen Ursache, also einem Schadorganismus, aus. Hier könnten insbesondere Pilze eine Rolle spielen. Aus verschiedenen Proben aus ganz Norddeutschland wurden bisher 1.100 Pilzisolate gewonnen. Zurzeit laufen Inokulationsversuche im Gewächshaus. Dabei werden gesunde Pflanzen mit ausgewählten Pilzisolaten infiziert und beobachtet, ob sich die gleichen Symptome wie in den Plantagen und Wildstandorten zeigen.

Beim Sanddornsterben handelt es sich jedoch wahrscheinlich auch um ein komplexes Zusammenspiel von mehreren Faktoren und Wechselwirkungen zwischen Pflanze, Umwelt und verschiedenen Mikroorganismen inkl. potentiellen Krankheitserregern. Eine einfache Antwort ist nicht zu erwarten und die Ursache des Pflanzensterbens noch nicht geklärt.

  • Welche wirtschaftlichen Folgen hat das Sanddornsterben?

Die wirtschaftlichen Folgen für die Plantagenbesitzer in Deutschland sind sehr ernst zu nehmen. In manchen Fällen sind Großteile der Anbauflächen bereits abgestorben. Die Anbauer suchen vermehrt nach alternativen Kulturen oder geben den Sanddornanbau zum Teil komplett auf. Die Folge wäre, dass mehr Sanddorn für die Herstellung von Sanddornprodukten aus dem Ausland importiert werden müsste.

Einen guten Eindruck von den Sorgen der Plantagenbesitzern, aber auch einen Einblick in dieproduktion und einen historische Einordnung des Sanddornanbaus in Deutschland gibt der MDR-Videobeitrag Der letzte Sanddorn?: Rätselhaftes Sträuchersterben in Norddeutschland.

Aber auch die ökologischen Folgen des Sanddornsterbens sind von Relevanz. Die Wildbestände entlang der Küsten dienen dem Schutz vor Bodenerosion und bilden ein wichtiges Habitat und eine Nahrungsquelle für verschiedene Tierarten (Insekten, kleine Reptilien, Vögel).

Unter folgendem Link finden Sie Daten zum Beerenanbau in Deutschland:

Strauchbeerenanbau und -ernte (PDF, Statistisches Bundesamt)

  • Was kann man tun? Warten auf die Studienergebnisse?

Tatsächlich können wir erst konkret sagen was zu tun ist, wenn wir die Ursache eingrenzen können. Bis dahin hilft es den Pflanzen möglicherweise andere Stressfaktoren wie Wassermangel zu vermeiden.

Vorerst ist es wichtig, den Zustand der Sanddornbestände im Auge zu behalten: Wildstandorte werden bereits seit mehreren Jahren regelmäßig durch das LALLF kontrolliert.
Für die Sanddornanbauern ist zudem die LFA ein Anprechpartner. Sie steht im engen Kontakt mit der Praxis und sucht Möglichkeiten und Anbaumaßnahmen die Plantagenbesitzer in der aktuellen Situation zu unterstützen.