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Verbundvorhaben zur Haferzüchtung gestartet

Im Hafer schlummert ungehobenes Potenzial. Das Projekt FUGE soll das Getreide züchterisch optimieren, um es attraktiver für den Anbau zu machen. © Matthias Herrmann/JKI
Im Hafer schlummert ungehobenes Potenzial. Das Projekt FUGE soll das Getreide züchterisch optimieren, um es attraktiver für den Anbau zu machen. © Matthias Herrmann/JKI

Im Projekt FUGE helfen Forscher des JKI, das Getreide zu verbessern und damit attraktiver für den Anbau zu machen. In Groß Lüsewitz haben nun erste Feldversuche begonnen.

Der anhaltende Trend zu gesunder Ernährung beschert dem Hafer eine Renaissance. Doch der Haferanbau in Deutschland kann die steigende Nachfrage nicht decken, und auch Züchtung und Forschung haben nicht jene Kapazitäten wie bei den sogenannten „Cash-Crops“ wie Weizen, Raps oder Mais.
FUGE (Monitoring der Fusariumarten und Entwicklung genomischer Werkzeuge zur effektiveren Züchtung von Saathafer) soll diesen Abstand zu Weizen und Co. verringern: Die Forschenden aus Wissenschaft und Züchtungswirtschaft in diesem neu gestarteten Verbundprojekt sind überzeugt, dass in der Haferzüchtung großes Potenzial schlummert. Bessere Sorten, die ertragreicher und widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten sind, könnten den Hafer für den Anbau attraktiver machen, die inländische Haferproduktion fördern und auch Saatgutexporte erleichtern.

„Die Zahl der Haferprodukte im Sortiment der Frühstückscerealien in den Supermärkten steigt. Und neben den überwiegend aus Hafer bestehenden Porridgevarianten, Müslis und Milchersatzgetränken enthalten auch immer mehr Brot- und andere Getreideprodukte Hafer“, sagt Dr. Matthias Herrmann. Mit neuen Sorten ließe sich dieser Trend zur Aufnahme der gesunden Getreideart in die menschliche Ernährung unterstützen, so der Züchtungsforscher des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Groß Lüsewitz. Dort sind soeben die ersten Feldversuche gestartet, in denen die Resistenz aktueller Hafersorten gegen die drei häufigsten Arten des Fusarium-Pilzes untersucht wird. Der von Dr. Herrmann koordinierte Versuch steht außerdem noch an Standorten der Projektpartner in Bayern, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.
FUGE nimmt die derzeit dringlichsten Fragen der Haferzüchtung in den Blick. Neben der Suche nach natürlichen Resistenzen gegen den Fusarium-Befall zählt dazu das Sammeln genetischer Informationen: Geplant ist die vollständige Sequenzierung dreier Hafergenome. Diese verbessern die Grundlagen für den Einsatz moderner Werkzeuge der Pflanzenzüchtung wie etwa der rekurrenten genomischen Selektion, eine verleichsweise junge und innovative Methode der Züchtung.
Nicht nur auf die menschliche Ernährung hat Hafer potenziell einen positiven Einfluss. Die Getreideart gilt in der Landwirtschaft als Gesundungsfrucht. Ihr Anbau hilft dabei, den Einsatz von Fungiziden zur Krankheitsbekämpfung im Weizen zu reduzieren, den Druck mit bestimmten Ungräsern auf dem Feld zu verringern, das Mikrobiom im Boden zu verbessern und zugleich die Fruchtartenvielfalt in der Agrarlandschaft zu erhöhen.

Zum Projekt

Beteiligt an FUGE sind neben dem JKI das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung Gatersleben, das Helmholtz Zentrum München, die Universitäten Göttingen und Gießen sowie die drei Züchtungsunternehmen Nordsaat Saatzucht GmbH, Saatzucht Bauer GmbH & Co.KG und KWS Lochow GmbH.
Gefördert wird das Projekt im Rahmen der Ackerbaustrategie 2035 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mit insgesamt knapp 1,1 Millionen Euro. Die Gemeinschaft zur Förderung von Pflanzeninnovation e. V. (GFPi) koordiniert das Vorhaben.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner

Dr. Matthias Herrmann, Julius Kühn-Institut (JKI)
Fachinstitut für Züchtungsforschung an landwirtschaftlichen Kulturen
Rudolf-Schick-Platz 3a, 18190 Sanitz OT Groß Lüsewitz
Tel.: 038209 45 306
E-Mail: matthias.herrmann@julius-kuehn.de