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Kulturpflanzenvielfalt

Vielfalt wird angebaut und verkauft. Das zeigt der Gang über den Wochenmarkt, der Blick in gut sortierte Supermarktregale oder auf die Auslagen von Gartenfachmärkten. Eine Vielfalt von Kulturpflanzenarten und -sorten hat im Verlauf von Jahrhunderten unsere Äcker und Gärten erobert. Zu alten Sorten gesellen sich Neuzüchtungen, die verschiedenste Anforderungen erfüllen bzw. Bedürfnisse befriedigen. Neben Geschmack, Formen- und Farbenvielfalt geht es um Inhaltsstoffe, Krankheitsresistenzen, Transportfähigkeit und Anbaumerkmale.

Weltweit gibt es allein vom Brotgetreide Weichweizen geschätzte 25.000 Sorten. In Europa und somit auch in Deutschland sind laut Auskunft des Bundessortenamtes 24 Sommerweichweizen- und 177 Winterweichweizensorten (darunter 13 so genannte Erhaltungssorten) zum Anbau zugelassen. Diese Sortenvielfalt bleibt für uns im täglichen Leben unsichtbar, da auf dem Brot und Kuchen nicht vermerkt ist, welche Sorte vermahlen wurde. Sichtbarer wird Sortenvielfalt beim Kauf von Äpfeln und Kartoffeln. So könnten theoretisch 204 verschiedene Kartoffelsorten in Deutschland angebaut und verkauft werden. Auch Weinliebhaber werden beim Blick aufs Etikett fündig. In Deutschland wird die Sorte jeweils angegeben.

Personen mit eigenem Garten erfahren Sortenvielfalt meist noch bewusster. Hier gibt es einen regen Austausch von Obst, Gemüse und Kräutern bestimmter Sorten. Das schließt auch die nicht essbaren Zierpflanzen und Ziergehölze für Beet und Balkon ein. In der Palette der Sorten finden sich bisweilen lokale Spezialitäten oder Raritäten, die oft Teil der kulturellen Identität sind. Das ist vor allem dann zu spüren, wenn über den Verlust bestimmter alter Sorten geklagt wird, die es „früher“ gab. Auch ihrem Schutz hat sich das JKI verschrieben.

Vielfalt erweitern

In Deutschland gibt es sowohl trockene als auch sehr feuchte Standorte, sonnige Flächen und Schattenlagen, Gebiete mit magerem Boden und andere mit fruchtbarer Schwarzerde. Allein die Vielfalt der Anbaugebiete in Deutschland hat zur Entwicklung einer breiten Sortenvielfalt geführt. Dazu kommen die Ansprüche an das Produkt: mehlige Kartoffeln, festkochende, frühe, späte, kleine, große, solche mit viel Stärke, hohem Vitamingehalt, bunter Schale, lange lagerfähig oder besonderer Geschmack. Am JKI werden daher verschiedenste Kulturarten bearbeitet. Nicht immer züchten wir bis zur neuen Sorte, legen aber oft die Grundlagen dafür. Egal ob es sich um Roggen, Lupine, Pelargonie, Spargel oder Apfel handelt, ein Hauptaugenmerk liegt immer auch auf der Resistenz gegen Schaderreger. Denn dies ist ein guter Ansatz, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu minimieren und die Ernte von morgen zu sichern. Über die Resistenzzüchtung am JKI informiert Sie das Thema "Pflanzenzüchtung".

Blick in die Nische

Es gibt bestimmte Kulturen, die nur in geringem Umfang angebaut werden, wie die Arzneipflanze Melisse. Bei anderen geht die Bedeutung aus bestimmten Gründen zurück. Das war bei der Ackerbohne und der Lupine aufgrund der hohen Anfälligkeit gegen Krankheiten und starken Ertragsschwankungen der Fall. Bei bestimmten Kulturen ändert sich das Krankheitsspektrum durch eine veränderte Anbauweise, etwa beim Spargel. Es gibt aber auch Kulturen, die bislang noch gar nicht in Deutschland angebaut wurden, wie der Russische Löwenzahn oder die Andenlupine. Da eine umfangreiche Forschung und Weiterentwicklung dieser „Nischen“-Kulturen für privatwirtschaftliche Züchter meist unprofitabel ist, übernimmt das JKI in ausgewählten Fällen als staatliche Forschungseinrichtung diese Aufgabe. Die ausgewählten Fragestellungen werden oftmals in Kooperation mit privaten Züchtern oder der Industrie bearbeitet. Derzeit optimieren wir beispielsweise den Anbau von Lupine und Sojabohne, um dem Markt heimische Eiweißpflanzen zur Verfügung zu stellen. Außerdem forschen wir an Arznei-, Gewürz- sowie an ausgewählten Zierpflanzen und Gemüsearten.