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Pflanzenschutz im ökologischen Anbau

Im ökologischen Landbau werden Acker-, Gemüse-, Obst- oder Rebflächen nach den Richtlinien der EU-Ökoverordnung (EG-VO 889/2008) angebaut. Einige Ökoanbauverbände haben darüber hinaus geltende Regeln (www.oekolandbau.de). Ein Anspruch des ökologischen Landbaus ist, die Flächen möglichst umweltschonend und nachhaltig zu bewirtschaften. Jedoch machen auch hier Schädlinge und Krankheitserreger nicht Halt. Und die dort angebauten Kulturpflanzen leiden ebenso unter der Konkurrenz von Unkräutern. Am JKI forschen wir daran, möglichst ganzheitliche Konzepte vor allem zu Fragen und Problemen des Pflanzenschutzes zu entwickeln.

Im Jahr 2015 bewirtschafteten 24.736 Betriebe 1.088.838 ha nach den Prinzipien des ökologischen Anbaus (= 6,5 %) (Strukturdaten Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung). Ökolandwirte, Obst- und Gemüsebauer sowie Winzer haben einen weitaus höheren Arbeitsaufwand als andere Landwirte, da sie auf eine ganze Reihe von Mitteln und Maßnahmen (z. B. mineralische Düngemittel und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel) freiwillig verzichten. Innerhalb der Europäischen Union ist klar festgelegt, wie Pflanzen produziert bzw. Tiere gehalten werden müssen, damit sie die Anforderungen an ein Ökoprodukt erfüllen. Die Erzeuger erhalten eine finanzielle Förderung bzw. einen Ausgleich für ihre besondere Leistung. Um den ökologischen Landbau zu fördern und bestehende Probleme zu lösen, stehen im Bundesprogramm ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) derzeit 17 Millionen Euro jährlich für Forschung und Entwicklung zur Verfügung. Die Bundesregierung hat 2015 eine „Zukunftsstrategie ökologischer Landbau“ gestartet mit dem Ziel, den Ökolandbau weiter zu stärken. Das JKI hat hier seine Expertise eingebracht.

Am JKI-Fachinstitut für Biologischen Pflanzenschutz beschäftigen sich alle Forschungsthemen mit nicht-chemischen Verfahren und Maßnahmen, die in allen Anbauformen und damit auch im Pflanzenschutz im Ökolandbau angewendet werden können.

Gegen Unkräuter stehen im ökologischen Anbau keine Mittel zur Verfügung. Mit Untersuchungen, welchen Einfluss mechanische Verfahren wie Striegeln auf die verschiedenen Unkrautarten haben, wie sich die Sortenwahl auf die Unkräuter auswirkt, geben wir den Landwirten neue Erkenntnisse an die Hand. Alternative Techniken und Konzepte für eine Unkrautentfernung ohne chemische Mittel erprobt das JKI ebenfalls.

Mit der am JKI aufgebauten Datenbank ALPS (Alternativen zu chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen) helfen wir mit, dass sich Berater, Erzeuger und alle Interessierten zu Literatur zu nicht-chemischen Pflanzenschmutzmaßnahmen online informieren können. Unser Wissensportal „Ökologischer Landbau“ informiert ausführlich zu wichtigen Strategien und aktuellen Fragen.

Ein Schwerpunkt: Kupferminimierung

Kupfermittel werden seit Ende des 19. Jahrhunderts vor allem im Wein- und Obstbau, aber auch bei Hopfen und Kartoffeln gegen Pilzkrankheiten (nicht nur im Ökologischen Anbau) eingesetzt. Dazu gehören Mehltaupilze, Schorf an Äpfeln oder die Kraut- und Knollenfäule an Kartoffeln. Zwar enthalten die modernen Mittel wesentlich weniger Kupfer als früher. Da Kupfer jedoch zum Teil nachteilige Auswirkungen auf Organismen hat und sich im Boden anreichert, soll der Eintrag von Kupfer in die Umwelt deutlich verringert und durch alternative Mittel und Verfahren ersetzt werden (EU-Richtlinie 2009/37/EG vom 23.4.2009).

Aktivitäten mit dem Ziel, die Auswirkungen und den Verbleib des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Kupfer zu untersuchen und alternative Mittel und Verfahren zu entwickeln, ist seit vielen Jahren ein Schwerpunkt der Arbeiten im JKI. Umfangreiche langjährige Forschungsarbeiten aus unserem Hause liegen vor zu Themen, welche Auswirkungen Kupfer in den verschiedenen Böden hat, welcher Anteil für die Pflanze verfügbar ist oder wie sich die Kupferbelastung auf ausgewählte Bodenlebewesen auswirkt.

Der Wirkstoff ist für den Ökologischen Landbau in Deutschland unverzichtbar. Ohne Kupfer wäre z. B ein wirtschaftlicher Hopfenanbau nach den Prinzipien des Ökolandbaus nicht möglich. Wie auch im Weinbau würde der Schaden durch Pilzerkrankungen bei 50 – 100 % liegen. Das JKI richtet bereits seit Ende der 1990er Jahre regelmäßig Fachgespräche aus, die sich mit dem Thema „Kupfer als Pflanzenschutzmittel“ befassen, so dass sich europaweit ein Netzwerk der in diesem Bereich tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aufbauen konnte. Seit der im Jahr 2010 verabschiedeten Kupferminimierungsstrategie arbeiten wir mit verschiedenen Verbänden kontinuierlich an den Zielen der Minimierung.

Am JKI forschen wir daher an neuen Ansätzen. In Feldversuchen testen wir im Ackerbau, Wein- und Obstbau neue Präparate bzw. neue Pflanzenschutzstrategien. So wurden im EU-Forschungsprojekt CO-FREE – die Koordination lag in den Händen des JKI - neue Mittel gegen Pilzkrankheiten erforscht und erprobt.