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Pressemeldung

Julius Kühn-Institut (JKI)
Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

Pressesprecherin
Dr. Gerlinde Nachtigall

Tel: 0531 299-3204
Fax: 0531 299-3000
pressestelle@  julius-kuehn.  de
 
Pressereferentin
Dipl.- Biol. Stefanie Hahn

Tel: 03946 47-105
oder
Tel: 0531 299-3207
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PI Nr. 12: Siebeldinger Forschungsteam des Julius Kühn-Instituts klärt Herkunft von Rebsorten auf

(Siebeldingen, 12.5.2016) Die Herkunft der Vorfahren unserer Rebsorten ist spannend. Mit heutigen Methoden wie dem genetischen Fingerabdruck können Stammbäume präzisiert und viele bisherige Annahmen korrigiert werden. So spielte die historisch bedeutsame amerikanische Rebsorte ´Concord` am JKI-Fachinstitut für Rebenzüchtung gleich in zwei Fällen eine wichtige Rolle.

Zum einen wies das Julius Kühn-Institut jetzt eindeutig nach, dass ´Concord` quasi ein Enkel der in Frankreich populären Rebsorte ´Semillon` ist und sich in ihrem Erbgut Anteile der europäischen Rebe Vitis vinifera finden. Aus ihr bauen Winzer die renommierten Süßweine der Sauternes aus. Die Publikation von Franziska Huber et al. ist in der aktuellen Ausgabe VITIS-Journal of Grapevine Research erschienen.

Zum anderen führt das JKI in einem aktuellen Gutachten den eindeutigen Nachweis, dass die Sorten ´Ripatella` und ´Concord` identisch sind. Letzteres führte dazu, dass in dem vor dem Landesverwaltungsgericht Burgenland im März 2016 abgeschlossenen Rechtsstreit („Uhudlerprozess“) die Sorte ´Ripatella` nicht gerodet werden muss.

„Diese Nachweise spielen auch wirtschaftlich eine Rolle, da laut einer EU-Verordnung amerikanische Reben, die reblausfest sind und wurzelecht gepflanzt werden können (sog. Direktträger), für die Weinerzeugung hierzulande verboten sind“, so Dr. Erika Maul vom JKI. Jedoch können Rebsorten, an denen die europäische Weinrebe Vitis vinifera beteiligt war, genehmigt werden. Zu letzteren gehören zum Beispiel die Sorten ´Concord`, ´Delaware` und ´Elvira`. Aus ihnen wird die südburgenländische Weinspezialität Uhudler hergestellt. Die ebenfalls für den Uhudler angebaute Sorte ´Ripatella` sollte gerodet werden, da man von rein amerikanischen Vorfahren ausging. Ein echter Nachweis fehlte jedoch. Dazu untersuchte das JKI Proben aus drei verschiedenen Quellen. Mit Hilfe des genetischen Fingerabdrucks bewies das JKI in seinem Gutachten, dass die gegen Pilzkrankheiten und die Reblaus resistente ´Ripatella` identisch mit der Sorte ´Concord` ist. Im aktuellen Fall standen fünf Rodungsverfahren für Ripatella-Weinberge kurz vor dem Vollzug. Der Grund dafür war, dass diese Weinberge nach dem Anbauverbot für Direktträger (nicht gepfropfte Pflanzen) nach 2003 angelegt worden waren. Mit dem Gutachten des JKI schaffte das Gericht die Grundlage, die Rodungsbescheide aufzuheben.

Die am JKI angewandte SSR-Analyse brachte außerdem die genaueren Verwandtschaftsbeziehungen der Rebsorten ´Concord` und ´Catawba` zutage. „Die Vermutung, dass ´Semillon`, ´Concord` und ´Catawba` miteinander verwandt sind, konnten wir eindeutig beweisen“, freut sich Franziska Huber, die am JKI ihre Dissertation anfertigt. Somit ist klar, dass ´Semillon` ein Elternteil der amerikanischen Rebsorte ´Catawba` ist und ´Concord` wiederum von der ´Catawba` abstammt. Bei dem anderen Elternteil handelt es sich um eine unbekannte wilde Rebart.

Die Tatsache, dass ´Semillon` und ´Ripatella` (´Concord`) miteinander verwandt sind, dürfte auch die Uhudler-Winzer interessieren.

Hintergrundinformation:
Siedler brachten europäische Reben mit in die USA. Diese fielen jedoch rasch dem Befall mit Echtem/Falschem Mehltau oder der Reblaus zum Opfer. Amerikanische Reben, z. B. V. labrusca, eine Wildart mit großen Beeren, sind hier resistent. Anscheinend konnten sich trotzdem einige europäische Wildreben erfolgreich mit Amerikanischen kreuzen. Das haben die neuesten Untersuchungen am JKI ergeben.

Die Fachleute des JKI genießen im nationalen und internationalen Raum einen außerordentlichen Ruf, wenn es um das Aufspüren von Verwandtschafts- oder Herkunftsbeziehungen bei Rebsorten geht. So erhält das JKI-Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof über 3.000 Rebsorten und Wildarten, sowie züchterisch wertvolle Zuchtstämme. In mehr als der Hälfte der Rebsorten befinden sich Resistenzgene gegen Mehltaupilze, den bedeutendsten Schaderregern bei Reben. Diese Gene mit neuesten molekularbiologischen Techniken aufzuspüren und in Kreuzungsprogramme für neue Sorten zu integrieren, ist ein wichtiger Aspekt bei den Züchtungen und der Züchtungsforschung am JKI. Es sollen neue widerstandsfähige Sorten entstehen, aus denen gute, geschmackvolle und qualitativ hochwertige Weine ausgebaut werden können.

Publikation:

Huber, F.; Röckel, F.; Schwander, F.; Maul, E.; Eibach, R.; Cousins, P., Töpfer, R.: A view into American grapevine history: *Vitis vinifera* cv. 'Sémillon' is an ancestor of 'Catawba' and 'Concord', Vitis, Source: 55 (2) 53-56, 2016