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Pressemeldung

Julius Kühn-Institut (JKI)
Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

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PI2021-14: JKI warnt: Haltung invasiver Apfelschnecken ist verboten

Apfelschnecken fressen in einem Teich an Flatter-Binse und Pfeilkraut. © Jess Van Dyke, Snail Busters, LLC, Bugwood.org
Apfelschnecken fressen in einem Teich an Flatter-Binse und Pfeilkraut. © Jess Van Dyke, Snail Busters, LLC, Bugwood.org
Eine erwachsene Insel-Apfelschnecke (Pomacea maculata). © Jess Van Dyke, Snail Busters, LLC, Bugwood.org
Eigelege von Apfelschnecken. © Jess Van Dyke, Snail Busters, LLC, Bugwood.org

Die häufig für Aquarien und Teiche angeschafften Tiere schaden der Biodiversität und gefährden im Süden Europas sogar Ernten.

(Braunschweig) Sie fressen Algen und sind schön anzusehen: Apfelschnecken sind bei Aquarienfreunden beliebt. Doch sowohl der Handel mit ihnen als auch das Halten und Vermehren von Tieren der Gattung Pomacea sind laut Pflanzengesundheitsverordnung (EU 2016/2031) europaweit verboten. Aus gutem Grund: „Die invasiven Schnecken verursachen massive Schäden an vielen Pflanzenarten, die meist im Wasser oder an feuchten Standorten stehen. Das betrifft auch Grundnahrungsmittel wie Reis“, sagt Dr. Gritta Schrader vom Julius Kühn-Institut (JKI).

Pomacea-Arten können Habitate wie Feuchtgebiete, flache Seen, Flussdeltas sowie die Randbereiche tieferer Seen und Flüsse besiedeln. In diesen Ökosystemen können sie neben beträchtlichen ökonomischen Schäden durch Ernteverluste – Apfelschnecken fressen an allen oberirdischen Pflanzenteilen – die Biodiversität stark beeinflussen, indem sie heimische Arten verdrängen. Ohne natürliche Feinde vermehren sich die Schnecken bei günstigen Bedingungen schnell und beeinträchtigen dadurch die Wasserqualität. Der verringerte Bewuchs der Gewässer steigert die Gefahr von Erosion. Derzeit ist zu erwarten, dass die Tiere sich lediglich in Südeuropa und auf dem Balkan ansiedeln können. Sollten die Temperaturen im Zuge des Klimawandels aber weiter steigen, ist auch eine Ausbreitung in Mitteleuropa möglich.

Apfelschnecken stammen aus Südamerika und wurden nach Nord-Amerika, Asien und schließlich auch in spanische Reisanbaugebiete in Katalonien (2009) verschleppt. Weitere Funde gab es 2017 in der Schweiz und 2018 in Frankreich. Seit 2019 sind Apfelschnecken als Unionsquarantäneschädling eingestuft. Das bedeutet, dass sie in der EU nicht einheimisch sind, großen Schaden verursachen können und deswegen amtlich bekämpft werden müssen. Die Schnecken können durch den florierenden illegalen Handel, aber auch unbemerkt an Pflanzen wie Wassersalat (Pistia spp.) und Hornkraut (Ceratophyllum demersum) sowie an Gesteinen haftend in Aquarien und Teiche gelangen. „Besitzer von Aquarien und Teichen sollten daher genau hinschauen, welche Schneckenarten in und an ihren Gewässern zu finden sind. Selbst wenn eine dauerhafte Ansiedlung in Deutschland noch unwahrscheinlich ist, können jetzt im Sommer durchaus Apfelschnecken aus ausgeleerten Aquarien in Teichen und anderen Gewässern auftauchen“, so Schrader.

Was tun?

Der Verdacht auf einen Fund von Apfelschnecken ist dem Pflanzenschutzdienst des jeweiligen Bundeslandes zu melden. Ansprechpartner und weitere Informationen sind auf dem Wissensportal Pflanzengesundheit des JKI zu finden: https://pflanzengesundheit.julius-kuehn.de/

Biologie der Apfelschnecken

Apfelschnecken können sich bei Temperaturen ab 18 Grad Celsius vermehren. Sie legen ihre auffällig pinkfarbenen Eigelege an Pflanzen oder anderen Flächen oberhalb des Wasserspiegels ab. Sie benötigen rund 600 Millimeter Jahresniederschlag und eine Jahresmitteltemperatur von mindestens zehn Grad Celsius. Aufgrund der niedrigen Temperaturen im Winter können Apfelschnecken in Deutschland derzeit nicht überleben. Durch den Klimawandel könnte sich dies allerdings ändern. In den Jahren 2018, 2019 und 2020 war die Durchschnittstemperatur in Deutschland für die Schnecken bereits ausreichend warm. Da Pomacea-Arten nicht ins Freie gelangen dürfen, sollten Besitzer von Aquarien vor allem beim Wasserwechsel Vorsicht walten lassen.

Um ein Verwechseln der Apfelschnecken mit den sehr ähnlich aussehenden und in Europa heimischen Süßwasserschnecken (Viviparus spp.) zu vermeiden, werden Funde der Pomacea-Arten mit molekularbiologischen Methoden untersucht.

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin

Dr. Gritta Schrader
Julius Kühn-Institut (JKI)
Institut für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit
Messeweg 11/12
38104 Braunschweig
Tel.: 0531 299 3375
E-Mail: gritta.schrader@julius-kuehn.de