Vom Forschungsprojekt zum Spezial-Produkt für den Esparsetten-Anbau: Ein am JKI isoliertes Bakterium wird von Saatgutfirma zum kommerziellen Inokulum weiterentwickelt.
(Braunschweig) Vom Projekt zum Produkt, solche Erfolgsgeschichten gibt es nicht oft in der landwirtschaftlichen Grundlagenforschung. In diesem Falle fanden Forschende des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig an der Wurzel der Esparsette eine neue Art von Knöllchenbakterien, welche der Futterpflanze einen Wachstumskick verschafft, indem sie die Pflanze mit Stickstoff versorgt. Nun sind Leguminosen, also Eiweißpflanzen, eigentlich dafür bekannt, dass sie in ihrem Wurzelraum eine Symbiose mit Knöllchenbakterien eingehen, die ihnen bei der Stickstoffversorgung helfen, jedoch funktioniert das nicht in allen Böden und für alle Leguminosenarten gleich gut. Beispielsweise gedeihen auch Soja und Lupine nicht an allen Standorten und brauchen manchmal eine gewisse Starthilfe, um ertragreich zu wachsen. Genau so geht es auch der Saat-Esparsette Onobrychis viccifolia, weshalb die Futterleguminose in der deutschen Agrarlandschaft nur ein Nischendasein fristet. Das soll sich nun, dank des am JKI isolierten Bakterienstammes Mesorhizobium onobrychidis OM4 ändern (siehe dazu Fachpublikation https://doi.org/10.1128/spectrum.01099-22).
„Obwohl die Esparsette bei der Tierernährung und auch im Agrarökosystem mit vielen positiven Eigenschaften punkten kann, wird sie in Deutschland kaum noch angebaut“, erklärt Dr. Torsten Thünen vom Julius Kühn-Institut. Hauptgründe dafür sind die hohen Standortansprüche der Futterpflanze, eine empfindliche Jugendentwicklung sowie ihre schwache Konkurrenzfähigkeit in Pflanzenmischungen. „Viele dieser Schwachpunkte sind auf die in der Literatur beschriebene unzuverlässige Stickstoffversorgung durch die mit der Pflanzenwurzel vergesellschafteten Knöllchenbakterien, den Rhizobien, zurückzuführen“, erklärt der Pflanzenbauexperte vom JKI.