Springe direkt zu:
Service Navigation

Julius Kühn-Institut (JKI)
Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

Institutsleitung
Dr. Peter Wehling

Adresse
Groß Lüsewitz
Rudolf-Schick-Platz 3a
18190 Sanitz OT Groß Lüsewitz

Sekretärin
Annett Sitte
Tel: 038209 45-200
Fax: 038209 45-222
zl@  julius-kuehn.  de

Adresse
Erwin-Baur-Str. 27
06484 Quedlinburg
Tel: 03946 47-701
Fax: 03946 47-255
zl@  julius-kuehn.  de

Veröffentlichung
Institutsflyer
Broschüre

Nachhaltiges Management pflanzengenetischer Ressourcen

Die Artenvielfalt nimmt weltweit rapide ab. Der Verlust der genetischen Variation innerhalb von Arten, die als pflanzengenetische Ressourcen für die züchterische Bearbeitung unserer Kulturpflanzen dienen, schränkt wiederum die züchterischen Handlungsmöglichkeiten zur Anpassung unserer Kulturarten an künftige Herausforderungen ein. Genetische Vielfalt und die damit verbundenen Daten sind demzufolge ein hohes, unverzichtbares öffentliches Gut.

Mit der Unterzeichnung des Internationalen Vertrags über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (PGREL) im Jahr 2004 verpflichtete sich die Bundesrepublik Deutschland, eine umfassende Strategie für die Erhaltung von Kultur- und Wildpflanzenvielfalt zu entwickeln. Ziel ist es, die genetische Vielfalt von Kulturpflanzen in landwirtschaftlichen Nutzungssystemen (on farm) und die Vielfalt der wildlebenden Verwandten unserer Kulturarten in ihren natürlichen Lebensräumen (in situ) zu fördern und zu schützen. Durch die Konservierung in Genbanken (ex situ) werden genetische Ressourcen zusätzlich gesichert und für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben bereitgestellt.

In-situ- und On-farm-Management

Genetische Formenvielfalt entsteht durch die Anpassung von Wild- und Kulturpflanzenarten an unterschiedlichste Standortbedigungen. Ein Teil dieser Diversität kann gesammelt und in Form von Saatgut, Pflanzen oder Pflanzenteilen in Genbanken konserviert werden. Die Erhaltung genetischer Diversität in ihrer gesamten Fülle kann indes nur gelingen, wenn Arten in ihrer natürlichen Umgebung erhalten bleiben und sich dynamisch an veränderliche Umweltbedingungen anpassen können.

Somit ist die Erhaltung genetischer Variation züchtungsrelevanter Wildarten in situ und das Management genetischer Vielfalt von Kulturarten in landwirtschaftlichen Nutzungssystemen (on farm) die langfristig wichtigste Maßnahme zur Erhaltung unserer pflanzengenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft, die durch den Betrieb von Genbanken abgesichert und ergänzt werden muss. Zu diesem Zweck erforscht das Institut Verfahren zur Erhaltung genetische Diversität in situ (z.B. Wildsellerie http://netzwerk-wildsellerie.julius-kuehn.de/) und on farm (z.B. Evolutionsramsch Wintergerste) und entwickelt auf dieser Grundlage Umsetzungskonzepte.
Auf nationaler Ebene tragen wir mit diesen Aktivitäten zur Umsetzung der Agrobiodiversitätsstrategie https://genres.de/forschungslandschaft-agrobiodiversitaet/strategien-foerderprogramme/des-bmel/ und des Nationalen Fachprogramms „Pflanzengenetische Ressourcen (PGR)“ des BMEL bei.

Sammlung Blattmaterial Beta vulgaris maritima in Dänemark

Genetische Erhaltungsgebiete für Wildarten
Obwohl für die Ergänzung des Genpools von Kulturarten die innerartliche Vielfalt von besonderer und zunehmender Bedeutung ist, spielt deren gezielte Erhaltung bei Wildarten im Rahmen des Naturschutzes bislang eine geringe Rolle. Die Auswahl von Flächen für den Aufbau genetischer Erhaltungsgebiete für spezifische Wildarten ist hierzu ein geeignetes Mittel.

Evolutions"ramsch" Getreide

Aufbau von Evolutionsramschen
Ein sogenannter Evolutionsramsch dient dazu, eine möglichst intensive Neukombination von Genvarianten (Allelen) zu erreichen. Hierzu werden nach einem hierarchischen Kreuzungsschema genotypisch und phänotypisch kontrastierende Pflanzen zu einer Population (züchterisch: "Ramsch") zusammengestellt. Diese Pflanzen werden an mehreren Standorten mehrere Jahre lang nachgebaut und so einem unterschiedlichen Selektionsdruck ausgesetzt. In einem Netzwerk zur Erhaltung der Anpassungsfähigkeit der Gerste erstellen wir auf diese Weise sowohl wertvolles Material für die Pflanzenzüchtungsforschung als auch genetische Rekombinanten, die für die Anpassung von Kulturarten an den Klimawandel genutzt werden können.

Datenbanken und Informationssysteme

Eine weitere Verpflichtung betrifft die Information zu pflanzengenetischen Ressourcen. Die Vertragsparteien wie Deutschland sollen eine Inventur von pflanzengenetischen Ressourcen vornehmen, die für unsere Ernährung und die Landwirtschaft wichtig sind. Sie sollen Daten zu ihrem Nutzwert bzw. ihrer Gefährdung sammeln und dokumentieren.

Wir betreiben und entwickeln die zentralen fruchtartspezifischen Datenbanken für Hafer (European Avena Database, EADB) sowie für Betarüben (International Database for Beta, IDBB). Mit ihnen stellt das JKI Informationen zum züchterischen Wert von Arten und Akzessionen zur Verfügung. Das Informationsangebot wird durch die Ergebnisse der aus dem Arbeitsbereich koordinierten EU-Vorhaben AEGRO und AVEQ erweitert.

Erhaltung und nachhaltige Nutzung

Wir arbeiten im Beratungs- und Koordinierungsausschuss für genetische Ressourcen landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Kulturpflanzen (BEKO) des BMEL sowie in den Arbeitsgruppen und Netzwerken des Europäischen Kooperationsprogramms für Pflanzengenetische Ressourcen (ECPGR, Rom) http://www.ecpgr.cgiar.org/working-groups/wild-species-conservation/ mit. So gestalten wir nationale und europäische Programme mit, um pflanzengenetische Ressourcen zu sichern und nutzbar zu machen.
Das Institut leistet Beiträge zum Nationalen Fachprogramm ‚Pflanzengenetischer Ressourcen‘. Es nimmt fachlich Stellung zu neueren Entwicklungen im Bereich des Europäischen Kooperationsprogramms für pflanzengenetische Ressourcen (ECPGR) und zu Anfragen, die sich aus den fortlaufenden Verhandlungen zum Internationalen Übereinkommen über die biologische Vielfalt (ÜBV) und dem Internationalen Vertrag zu pflanzengenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft ergeben.

An der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung PGR beteiligen sich die Interessengruppen Genbanken (Ex-situ-, In-situ- und On-farm-Management), Pflanzenzüchtungsforschungsinstitute, Züchter, Vereine und Ministerien. Das ECPGR stellt den zahlreichen Akteuren eine Kooperationsplattform zur Verfügung. Die Mittel des ECPGR für Programme und Maßnahmen sind sehr begrenzt. Mithilfe der S.W.O.T.-Methode (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken) wurde untersucht, wie die europäische Zusammenarbeit verbessert werden kann. Die Ergebnisse und Empfehlungen sind auf der Homepage des PGR Secure Projektes http://www.nordgen.org/index.php/en/content/view/full/2481 publiziert.