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Julius Kühn-Institut (JKI)
Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

Institutsleitung
Prof. Dr. Reinhard Töpfer

Adresse
Geilweilerhof
76833 Siebeldingen

Sekretariat
Sabine Martin
Tel.: 06345/41-0
Fax: 06345/41-179
zr@  julius-kuehn.  de

Veröffentlichung
Institutsflyer
Broschüre

Qualitätsforschung

Neue Rebsorten liefern eigenständige Weine, deren Qualitäten mit denen etablierter Sorten gemessen werden. Die Prüfung neuer Reben auf ihr Potential hochwertige Weine zu liefern, ist in der Rebenzüchtung aufgrund der langen Evaluierungsphase ein stark limitierender Zeitfaktor. Mit der Untersuchung von Inhaltsstoffen im Traubenmost und im Wein durch analytische und sensorische Methoden lässt sich die Weinqualität beschreiben. Daraus können umweltunabhängige genetische Fingerabdrücke, so genannte genetische Marker, entwickelt werden. So können neue Rebsorten zielgerichtet und wesentlich schneller gezüchtet werden.

Neue innovative Rebsorten müssen das Potenzial besitzen, dass aus ihren Trauben qualitativ hochwertige Weine erzeugt werden können. Gleichzeitig müssen sie dies mit einer hohen Widerstandsfähigkeit gegenüber Pilzkrankheiten vereinen. Gelingt diese Kombination, stellt sie einen wichtiger Beitrag dar, um den Weinbau der Zukunft deutlich ökologischer und ökonomischer betreiben zu können.

Die Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten stammt aus amerikanischen und asiatischen Wildarten. Diese weisen jedoch häufig negative Eigenschaften (z. B. schlechter Geschmack) auf, die sie an ihre Nachkommen weitergeben (vererben) können. Damit solche negativen Merkmale frühzeitig aus dem Zuchtmaterial entfernt und andererseits positive Qualitätseigenschaften gefördert werden können, ist Forschungsarbeit notwendig. Aus diesem Grund identifiziert das Institut für Rebenzüchtung Bereiche im Erbgut, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Weinqualität ausüben. Wir entwickeln genetische Fingerabdrücke (Genetic Fingerprinting) für diese Genombereiche. So erhalten wir ein wertvolles Werkzeug, um das Potential eines Rebstockes in puncto Weinqualität frühzeitig zu erkennen. Geeignete Reben können gezielt ausgewählt (selektiert) und ungeeigneter Sämlinge in einem sehr frühen Stadium (Keimlingsstadium) aus dem Zuchtprogramm entfernt werden. Dadurch ergibt sich bei der ansonsten langwierigen Rebenzüchtung ein Wissensvorsprung von mehreren Jahren: Eine Aussage über die Qualität wird bereits möglich, lange bevor ein Rebstock Trauben bildet. Dies steigert die Effizienz der Züchtung enorm, fokussiert die Arbeiten auf die relevanten Reben und verkürzt die Qualitätsprüfung um Jahre.

Zur Qualitätsbewertung neuer Sorten bestimmt ein akkreditiertes Weinlabor mit modernen Analysemethoden die wesentlichen Most- und Weininhaltsstoffe. Dabei kommen unter anderem die FTIR-Spektroskopie, Gaschromatographie mit Massenspektroskopie und Olfaktometrie, Flüssigkeits-Chromatographie und Atomabsorptionsspektroskopie zum Einsatz.

Der Weinausbau erfolgt im eigenen Versuchsweinkeller, der auf den Weinausbau im kleinen Maßstab (Micro-Vinifikation: 0,5 bis 5 Liter) spezialisiert ist. Wir verwenden dabei standardisierte Ausbaumethoden mit einer engmaschigen Überwachung des Gärprozesses. So entstehen vergleichbare Weinproben, die in einem geschulten Sensorikpanel begutachtet werden. Hier entscheidet sich, unter Berücksichtigung der analytischen Daten, welche Reben das Potential besitzen, eine neue Rebsorte für den Weinbau zu werden.