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Inhalt: Kleine Moleküle, große Wirkung: Metabolomforschung eröffnet neue Perspektiven für Landwirtschaft und Gesundheit

6. Jahrestagung der DGMet am Julius Kühn-Institut in Berlin verzeichnet Teilnehmerrekord

Berlin, 14. Oktober 2026 – 120 TeilnehmerInnen und zwei Tage voller neuer Ideen: Die 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Metabolomforschung (DGMet e. V.) am 8. und 9. Oktober am Julius Kühn-Institut (JKI) in Berlin-Dahlem war so gut besucht wie keine zuvor. Neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus ganz Deutschland kamen auch internationale Gäste aus England, Österreich, Italien, Tschechien und den Niederlanden zusammen. Im Mittelpunkt stand eine zentrale Frage: Wie lassen sich kleine Moleküle nutzen, um komplexe biologische Prozesse besser zu verstehen – und daraus Lösungen für die Praxis zu entwickeln?

Vom Molekül zum Mehrwert für die Landwirtschaft

Vom Molekül zum Mehrwert für die Landwirtschaft

Ob Pflanzen oder Menschen gesund bleiben, Schädlinge angelockt werden oder Krankheitserreger sich ausbreiten können: Kleine Moleküle spielen in zahlreichen biologischen Prozessen eine entscheidende Rolle. Die Metabolomforschung macht diese chemische Vielfalt sichtbar und hilft zu verstehen, welche Stoffe bestimmte Zustände anzeigen, biologische Reaktionen auslösen oder bestimmte Prozesse beeinflussen können.

Das Anwendungspotenzial reicht weit und umfasst beispielsweise Agrar- und Umweltwissenschaften, Medizin, Ernährung und Sport. Für die Landwirtschaft ergeben sich daraus vielfältige Perspektiven: Stoffwechselprofile können beispielsweise helfen, widerstandsfähige Pflanzensorten zu identifizieren, Stressreaktionen frühzeitig zu erkennen und die Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Schädlingen und Krankheitserregern besser zu verstehen. Solche Erkenntnisse schaffen wichtige Grundlagen für einen gezielteren Pflanzenschutz, die Entwicklung neuer Monitoringverfahren und den Einsatz biologischer Regulationsmechanismen. Im medizinischen Bereich werden kleine Moleküle bzw. molekulare Muster gesucht, um als Biomarker zur frühzeitigen Diagnostik eingesetzt werden. 

Wenn Hunde Krankheiten erschnüffeln – und Technik daraus lernt

Wenn Hunde Krankheiten erschnüffeln – und Technik daraus lernt

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte der Vortrag von Lea Woyciechowski zum Thema „Dogolomics“. Die Doktorandin untersucht Duftprofile von COVID-19-infizierten Patientinnen und Patienten. Ziel ist es, charakteristische chemische Muster zu identifizieren, die als Marker für eine schnelle und zuverlässige Diagnose dienen könnten. Was speziell trainierte Hunde bereits erschnüffeln können, soll künftig auch mithilfe technischer Analysesysteme wie Gaschromatographie-Massenspektrometrie erkannt werden. Für ihren Beitrag wurde Woyciechowski mit dem Preis für den besten Vortrag ausgezeichnet.

Um komplexe Messdaten in verlässliche Erkenntnisse umzuwandeln, sind Bioinformatik-Tools erforderlich, die sowohl leistungsstark als auch benutzerfreundlich sind. Diese Tools ermöglichen nicht nur die Analyse großer Datensätze und die Identifizierung biologisch relevanter Muster, sondern auch den Datenaustausch über standardisierte Formate, wie Nils Hoffmann anhand von „LipidCompass“ darlegte. Wie in allen Forschungsbereichen gewinnt auch die künstliche Intelligenz in der Metabomik-Bioinformatik zunehmend an Bedeutung. Diese Vorträge zeigten, wie moderne Analytik und Bioinformatik zusammenwirken, um neue Forschungswege zu erschließen und langfristig praktische Anwendungen zu ermöglichen.

Das fachspezifisch sehr vielfältige Publikum – allen gemein das Interesse an kleinen Molekülen - ermöglichte es den Teilnehmern, über die Grenzen ihrer eigenen Disziplinen hinauszuschauen. Die Vielfalt der Methoden, Forschungsfragen, Ansätze und Anwendungsbereiche eröffnete neue Ideen, Ansätze und Perspektiven für ihre eigene Forschung.

Poster und Networking

Poster und Networking

Die Postersession mit 41 Vorträgen bot die Gelegenheit, einzelne Forschungsprojekte vertiefend zu diskutieren, Methoden zu vergleichen und neue Kooperationen anzustoßen – was einmal mehr die Vorteile persönlicher Begegnungen und des Networking unter Beweis stellte. Das Gewächshaus auf dem Versuchsgelände des Julius-Kühn-Instituts bot hierfür einen einzigartigen Rahmen. Drei Posterpreise wurden an die Nachwuchswissenschaftlerinnen Lisa Mainieri (Uni Marburg), Shristee Panthee (IGZ) und Eleanor North (FAU Erlangen) für ihre hervorragende Forschungsarbeit verliehen.

Die abendlichen Workshops standen ganz im Zeichen des wissenschaftlichen Austauschs. In sechs thematischen Gruppen diskutierten die Teilnehmenden „best-practise“-Vorgehensweisen, gaben sich gegenseitig Tipps und planten zukünftige Aktivitäten. Die Arbeitsgruppen treffen sich außerhalb von Tagungen regelmäßig online zu Seminaren, Vorträgen und Trainings. So wird der Austausch über die Tagung hinaus fortgesetzt und die Zusammenarbeit in der Metabolomforschung gestärkt.

Die Tagung wurde von Karin Gorzolka (JKI-ÖPV), Nicole van Dam (IGZ, Großbeeren/FSU Jena) und Jennifer Kirwan (BIH, Charité Berlin/ Vetmeduni Uni, Wien) als Berliner Gastgeber organisiert. Dabei unterstützt wurden sie vom DGMet-Vorstand, allen voran DGMet-Präsidentin Prof. Dr. Verena Taudte. Sowohl die Teilnehmer als auch die Organisatoren waren begeistert von der Menge der Teilnehmer, den lebhaften Diskussionen, dem fruchtbaren Gedankenaustausch und der tollen Atmosphäre der diesjährigen DGMet-Tagung am JKI-ÖPV.

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