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Inhalt: PI2026-07: Mit der gepunkteten Laternenträgerzikade erreicht ein gefährlicher Quarantäneschadorganismus Europa

 

Das Auftreten der Zikadenart Lycorma delicatula ist meldepflichtig und das Schadinsekt muss in der Europäischen Union bekämpft werden.

 

(Braunschweig) Im Sommer 2026 wurde erstmals in Europa, konkret in Ungarn, eine kleine Population der gepunkteten Laternenträgerzikade an Weinreben nachgewiesen. Da dabei bereits alle Entwicklungsstadien vorgefunden wurden, gehen die Behörden davon aus, dass die Einschleppung des meldepflichtigen Quarantäneschaderregers mindestens ein oder sogar mehrere Jahre zurückliegt.

„Angesichts dieses Fundes und der Entdeckung eines weiteren lebenden Insekts in einem in Belgien angelandeten Flugzeug, ist das Risiko einer Verschleppung der Art nach Deutschland deutlich gestiegen“, sagt Dr. Stephanie Feltgen vom Julius Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig. Die Einschleppung könne durch den Import von Wirtspflanzen, Pflanzenteilen sowie Rundholz, Holzprodukten und verarbeiteten Holzmaterialien erfolgen, erklärt die Expertin für Quarantäne-Schadinsekten am JKI.

Besonders leicht zu übersehen seien auch die Eigelege der Zikade, die abgestorbenem Holz aber auch anderweitigen künstlichen, vorzugsweise glatten Oberflächen anhaften können. Darunter fallen auch Transportgüter und Fahrzeuge. „Der rege Fernverkehr auf Europas Straßen erhöht somit die Wahrscheinlichkeit einer Einschleppung und kann zur raschen Ausbreitung der gepunktete Laternenträgerzikade beitragen“, warnt die Forscherin vom Julius Kühn-Institut in Braunschweig.

Risikostandorte für eine Einschleppung wären daher Fabriken und Industrieanlagen, die Lieferungen aus Gebieten erhalten, in denen der Schädling bereits vorkommt. Erfolgt eine Einschleppung des bisher nicht heimischen Schadinsekts, wären hinsichtlich der Ausbreitung in Deutschland vor allem wärmere Tieflagen mit Weinbau, städtische Räume und verkehrsnahe Korridore am stärksten gefährdet, da in diesen Gebieten zum einen der Götterbaum als bevorzugte Wirtspflanze häufig vorkommt und zusätzliche Wirtspflanzen wie Wein, Walnuss und Obstbäume vorhanden sind.

Massenvermehrung unter klimatisch förderlichen Bedingungen

Hohe Schäden werden vor allem durch Massenvermehrungen der Zikaden verursacht. Diese ist abhängig vom vorherrschenden Klima, den verfügbaren Wirtspflanzenarten und dem möglichen Vorkommen natürlicher Gegenspieler. „Europa im Allgemeinen und auch Deutschland im Speziellen werden als klimatisch passend eingestuft“, erklärt JKI-Forscherin Feltgen. Ebenso kämen in Deutschland viele der möglichen Wirtspflanzen vor, wie Obstbäume, Rebstöcke, Zierbäume und andere Gehölze.

Wichtige Wirtspflanzen sind Weinreben (Vitis vinifera), Walnuss (Juglans regia), Ahornarten (Acer spp.), Robinie (Robinia pseudoacacia), Weidenarten (Salix spp.) sowie Apfel- (Malus domestica), Steinobstgewächse (Prunus spp.) und im Besonderen der Götterbaum (Ailanthus altissima), welcher der bevorzugte Wirt ist und in Deutschland vor allem in urbanen Bereichen und entlang von Verkehrswegen verbreitet ist.

Der auch für Deutschland zu erwartende einjährige Entwicklungszyklus des Insektes würde ebenfalls entscheidend zur Massenvermehrung beitragen. Die mobilen Nymphen schlüpfen im Frühjahr, adulte geflügelte Zikaden sind im Sommer zu finden. Die Überwinterung erfolgt im Ei-Stadium. Die Eier werden in Gruppen von 30 bis 50 Stück abgelegt und häufig durch die Weibchen mit einem wachsartigen Überzug versehen, welcher die Eigelege tarnt und zusätzlich vor Trockenheit und Kälte schützt.

Was tun, bei Insektenfunden?

Bürgerinnen und Bürger, die die auffällige Zikadenart entdecken, sollten das Insekt einfangen ggf. fotografieren und sich an ihren zuständigen Pflanzenschutzdienst im Bundesland wenden. Eine Liste der Ansprechpersonen findet sich hier: https://pflanzengesundheit.julius-kuehn.de/ansprechpartner . Gerne können sie auch an pflanzengesundheit@  julius-kuehn.  de mailen.

Fachliche Ansprechpartnerin am Julius Kühn-Institut (JKI):

Dr. Stephanie Feltgen
JKI-Institut für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit
Messeweg 11/12, 38104 Braunschweig
Tel. +49 3946 47 7575
E-Mail: pflanzengesundheit@julius-kuehn.de

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